Was, bitteschön, ist ein Held?

Ehrlich gesagt hatte ich mit dem Begriff „Held“ lange Zeit Schwierigkeiten. Held – das klang für mich martialisch, nach Krieg, nach Dummheit. Sehr „heroische“ Figuren in Filmen oder Büchern haben mich befremdet, weil sie mir stilisiert vorkamen. Weil mir die Echtheit fehlte. Und überhaupt: Ist ein Held etwas Besonderes, jemand, der über anderen steht?

Und so hätte mich ein Seminar, das „Heldenreise“ heißt, vermutlich nicht angesprochen.

Bis eines Tages mein Mann auf Heldenreise ging. Als er zurückkam, konnte ich sofort sehen und spüren, welche Intensität und welche Möglichkeiten in diesem Seminar stecken. Ein paar Monate später machte ich mich selbst auf die Reise, noch ein wenig skeptisch, ob diese Reise auch bei mir solche Veränderungen zum Positiven bewirken kann. Ob sie mich erreichen kann. Das tat sie.

Ich bin immer noch nicht glücklich mit dem Begriff „Held“. Man könnte das, was gemeint ist, vielleicht auch anders nennen – mir ist nur noch nichts eingefallen, was knackiger beschreiben könnte, worum es geht. Aber: Mein Bild des Helden hat sich verändert – oder vielleicht sollte ich sagen: konkretisiert.

Für mich ist ein Held ein Mensch, der einen Moment innehält, in sich hinein – und in die Welt hinein – lauscht und wahrnimmt, was der „Ruf“ ist. Worum geht es wirklich? Was ist mir wirklich wichtig? Was will ich wirklich erreichen, leben?

Ein Held ist für mich derjenige, der im Rahmen seiner Möglichkeiten, diesem Ruf folgt. Und sich dabei allen Widerständen im Innen und Außen stellt. Es geht dabei nicht um Sieg, Besiegen, etwas auf Kosten anderer zu erreichen – sondern einzig und allein darum, seiner Sehnsucht zu folgen und sie bestmöglich zu leben. Das ist, wie wir alle wissen, eine große Aufgabe!

Autorin: Madeleine Streiber