Sicher, es gab noch schlimmere Zeiten. Aber die Häufung an Katastrophen, die uns in den letzten Jahren heimsuchen, ist erschreckend. Fast noch erschreckender finde ich, dass fast all diese Katastrophen von Menschen ausgelöst oder gemacht sind.
Ob der Krieg in der Ukraine und in Nahost, die immer verheerenderen Wetterereignisse, die zunehmende Irrationalität in der Politik und die Verachtung und der Hass, mit denen „ganz normale“ Menschen ihren Mitmenschen begegnen. Das könnte einen verzweifeln lassen.
Kein Wunder, dass all das bei vielen Unsicherheit und Ängste auslöst und zu (unfreiwilligem) Rückzug und Resignation führt.
Die folgenden 5 Tipps helfen dir und mir, gut durch die unsicheren Zeiten zu kommen und sie aktiv zu gestalten.
1. Ängste und Zweifel sind ganz natürlich
Wir leben in unsicheren Zeiten. Keiner weiß wirklich, wie es politisch und wirtschaftlich weitergehen wird und ob wir es noch schaffen werden, den Klimawandel die Erderwärmung so weit abzumildern, dass die Erde ein lebenswerter Planet für unsere Kinder und Kindeskinder bleibt. Die Wissenschaft führt uns gerade vor Augen, dass sie zu brandneuen Themen nur langsam sichere Erkenntnisse liefern kann, dass das, was gestern noch galt, heute schon wieder überholt sein kann. Das will ich nicht als Kritik an der Wissenschaft an sich missverstanden wissen: In ganz vielen Bereichen liefert uns die Wissenschaft zuverlässige Informationen und Handlungsempfehlungen. Wir müssten nur umsetzen, was sie empfehlen…
In solchen Zeiten ist es ganz normal, ja sogar vernünftig, Zweifel und Ängste zu haben. Wir wissen schlicht und einfach nicht sicher, was Sache ist und wie es weitergehen wird.
Und ja: Ängste lähmen uns erst einmal, verhindern, dass wir ins Tun kommen. Das ist manchmal auch gut so, weil hektisches Handeln oft das Gegenteil von dem bewirkt, was beabsichtigt ist.
Wichtig ist erst einmal, sich einzugestehen: Ja, ich weiß gerade nicht weiter, ich habe gerade Ängste …
Das ist normal, das ist kein Zeichen von Schwäche. Sondern eher ein Zeichen dafür, dass deine natürlichen Reflexe funktionieren. Und das Eingestehen ist ein Zeichen dafür, dass du ehrlich zu dir bist.
Wichtig ist aber auch: Lass dich nicht dauerhaft von der Angst lähmen. Denn dann bleibst du handlungsunfähig und der Situation ausgeliefert. Wie du wieder ins Handeln kommst, darum geht es in den nächsten Tipps.
2. In Bewegung kommen
Vielleicht willst du dich im Moment am liebsten verkriechen. Decke über den Kopf, nichts mehr hören und sehen. „Weckt mich auf, wenn das Ganze vorbei ist.“
Das ist nachvollziehbar und ein ganz natürlicher Wunsch.
Allerdings sind wir als Spezies nicht für so etwas wie Winterschlaf geeignet. Wir würden schlicht und einfach verhungern. Und nicht nur körperlich, sondern auch im übertragenen Sinn, weil uns menschliche Kontakte und Anregungen fehlen.
Deshalb: Komm in Bewegung.
Geh regelmäßig spazieren, am besten in der Natur. So bekommst du frische Luft und Sonnenlicht (wichtig für den Vitamin-D-Haushalt). Und Natur – Wasser und Wälder – wirkt entspannend.
Vor allem aber kommst du raus aus der Erstarrung, die eine Situation auslöst, auf die wir wenig Einfluss haben.
Wenn Rausgehen keine Option ist: Bewege dich in der Wohnung: Fenster auf, Luft tanken und auf der Stelle laufen oder Yoga, Stretching oder was auch immer dir an Bewegung guttut.
3. Fokus darauf, worauf du Einfluss hast
Je mehr Energie du auf Dinge verwendest, auf die du keinen Einfluss hast, desto weniger Energie bleibt dir für die Dinge, die du tatsächlich beeinflussen kannst.
Natürlich ist es interessant, was zum Beispiel in den USA demnächst unter dem neuen unberechenbaren Präsidenten passieren wird. Ja, es hat durchaus Einfluss auf unser Leben, wer dort in Zukunft die Regierung stellt. Nur: Umgekehrt hast du höchstwahrscheinlich keinen Einfluss auf die US-Regierung (du konntest im Höchstfall zur Wahl gehen).
Natürlich kann man sich aufregen über … In den meisten Fällen verändert das wenig – mal abgesehen davon, dass dein Kreislauf in die Höhe geht. Was nicht das Schlechteste sein muss.
Natürlich kann man sich Sorgen machen über die eigene Zukunft, über die Gefahr, krank zu werden, über die Klimaveränderungen, über die wirtschaftliche Lage, …
Hilfreich finde ich da, immer wieder zu schauen: Worauf habe ich Einfluss? Und worauf nicht?
Wenn ich mir Sorgen mache, aber nichts an der Situation ändern oder nicht vorbeugen kann, dann führt das dazu, dass ich mich zunehmend hilflos, fühle, dass ich mich ausgeliefert, gelähmt fühle.
Auch ein Perspektivwechsel hilft:
Der Fokus auf nationale oder globale Ereignisse führt dazu, dass wir uns klein und machtlos fühlen. Fokussiere dich stattdessen auf dein Leben, deine Familie, dein Umfeld.
Und schau: Was kann ich hier und jetzt tun?
4. Kontakte pflegen
Soziale Kontakte spielen eine entscheidende Rolle für unser Wohlbefinden und vor allem für unsere körperliche und geistige Gesundheit. In herausfordernden Zeiten wie diesen können zwischenmenschliche Beziehungen dabei unterstützen, die Krisen zu bewältigen.
Versuche daher, ganz bewusst mehr von dem zu unternehmen, was dir guttut: ein Gespräch unter vier Augen, Berührung, Umarmungen, geselliges Beisammensitzen, Singen, Tanzen.
Und wenn dir nicht danach ist, nach draußen zu gehen, dann suche und halte auf anderen Wegen Kontakt: per Telefon, Skype, Videokonferenzen, per Brief oder E-Mail. Und auch Gespräche über den Gartenzaun, von Balkon zu Balkon oder auf der Straße helfen.
5. Positiver Rückblick auf den Tag
Zum Abschluss noch eine konkrete Sache, mit der du dir tagtäglich etwas Gutes tust. Geh am Abend kurz vor dem Schlafengehen in Gedanken deinen Tag durch: Für welche Erlebnisse, Situationen, Menschen kannst du heute dankbar sein. Versuche, mindestens drei Dinge zu finden. Und bleibe mit deiner Aufmerksamkeit bei allen dreien für ein, zwei Minuten. Das entspannt ungemein und erhöht deine Achtsamkeit für die schönen Dinge, die dir im Alltag begegnen.
Studien zeigen, dass diese Praxis nicht nur die Stimmung und die Sicht auf die Welt verbessert, sondern auch ganz konkret für besseren Schlaf sorgt.
Noch ein Tipp dazu: Führe ein Dankbarkeitstagebuch und notiere darin jeden Abend drei oder mehr Dinge, für die du dankbar bist. Eine Studie von Professor Robert Emmons von der Universität Kalifornien hat ergeben, dass die Teilnehmer, die ein solches Dankbarkeitstagebuch führten, optimistischer im Leben standen, bessere Stimmung hatten, seltener krank waren und einen erholsameren Schlaf hatten.
Viel Freude dabei!
Und was hilft dir, gut durch diese Zeit zu kommen?
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Das Titelbild stammt von Aline Dassel (via Pixabay). Das Naturbild stammt von Pixabay-Nutzer Herrcut. Das Danke-Foto stammt von Unsplash-Nutzer Portuguese Gravity.
Lieber Franz Grieser!
Heute ist Neujahrstag und heute bin ich auf deine Homepageseite gestoßen. Für mich ein wunderbarer Moment an diesem Morgen, denn das Lesen hier fühlt sich gut an. Und ich deute es als gutes Ohmen, am ersten Tag des Jahres, hier her gefunden zu haben, zu diesen Seiten, zu diesen Themen, zu diesen Möglichkeiten.
Du fragst, was mir hilft, gut durch diese Zeit zu kommen. Mit Corona begann ich, mein Tagebuchschreiben zu vertiefen. Das hilft mir. Ich schreibe täglich. Manchmal sind dabei Briefe an meine
Und noch etwas hilft mir: Wenn der Himmel klar ist, in den Sternenhimmel zu schauen. Selbst wenn es nur ein paar Augenblicke oder wenn es nur dreißig Sekunden sind! Doch mir bewusst Zeit zu nehmen, in den nächtlichen Himmel zu staunen, dabei bewusst meinen Atem wahrnehmend, das wirkt auf mich beruhigend, stabilsierend oder stärkend. Den Sternenhimmel zu betrachten, bedeutet für mich auch, Schönheit wahrnehmen zu können. Und Unbekümmertheit. Die Sterne rührt kein Sturm, kein Krieg, kein Sieg.
Mit herzlichem Gruß,
Monika
Herzlichen Dank, liebe Monika. Ich freu mich, dass du dich hier wohlfühlst.
Mir hilft das (Journal-)Schreiben auch, durch schwierige Zeiten zu kommen – und es hilft mir, schöne Zeiten noch intensiver zu erleben.
Den Sternenhimmel kann ich auch genießen, allerdings meist eher dann, wenn ich weiter draußen auf dem Land oder in den Bergen bin (bei uns zuhause ist es auch nachts so hell, dass man nur ein paar Sterne sieht).
Herzliche Grüße
Franz