Wenn Deine Fantasie Dich einschränkt

Gestaltgruppe

Wir leben auf zwei Ebenen: auf der Realitätsebene und auf der Fantasieebene. Auf der Realitätsebene sind wir in Kontakt mit unseren Gefühlen und dem, was wir im Inneren und im Außen wahrnehmen. Was wir sehen, hören, spüren, riechen, schmecken und was wir fühlen.

Auf der Fantasieebene interpretieren wir das, was wir wahrnehmen – und unterscheiden oft nicht zwischen der Wahrnehmung und der Fantasie. Da sehen wir jemand, der die Arme vor der Brust verschränkt – und „denken“ sofort, er würde uns ablehnen. Ohne diesen Gedanken zu hinterfragen und ohne unser Gegenüber zu fragen. Dann würden wir vielleicht erfahren, dass es unserem Gegenüber so geht wie einer Frau, die vor einiger Zeit an einem meiner Seminare teilgenommen hatte: Sie saß oft mit verschränkten Armen da, weil ihr so der Rücken weniger weg tat. Oder wir warten tagelang am Telefon und glauben, er oder sie würde sich nicht für uns interessieren – sonst hätte er oder sie doch schon längst angerufen. Und sie bzw. er tut das Gleiche und wartet ebenfalls.

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Wie dir die VW-Regel hilft, konstruktiv mit Vorwürfen umzugehen

Ob in der Partnerschaft, in der Familie oder auch am Arbeitsplatz: Menschen verschwenden viel Zeit und Energie damit, einander Vorwürfe zu machen. Diese Art des Umgangs miteinander ist wenig konstruktiv, oft sogar destruktiv.

Der Witz dabei: Manche der Vorwürfe, die einer von beiden Beteiligten „hört“, sind gar nicht als Vorwurf gemeint. Dennoch reagiert er (oder sie) häufig mehr oder weniger aggressiv auf den vermeintlichen Angriff. Und schon entsteht ein Streit.

Dabei steckt laut Manfred Prior (dem Autor des tollen Büchleins MiniMax-Interventionen) hinter jedem Vorwurf ein Wunsch – daher die Bezeichnung VW-Regel (Vorwurf – Wunsch).

Das schreibt Prior zwar nicht explizit: Aber auch hinter einem Satz, der beim Gegenüber als Vorwurf ankommt, aber nicht als Vorwurf gedacht war, steckt sehr häufig ebenfalls ein Wunsch.

Ein Beispiel

  • „Gestern hast du schon wieder den Müll nicht rausgebracht.“ Das ist ein Vorwurf.*
  • „Bringe bitte (wie vereinbart), den Müll raus, wenn der Beutel voll ist.“ Das könnte der Wunsch sein, der hinter dem Vorwurf steckt.

* Anmerkung: Natürlich könnte der Satz „Gestern hast du …“ auch einfach nur eine Feststellung sein. Aber mit einem genervten Tonfall oder höherer Lautstärke vorgebracht, ist er höchstwahrscheinlich als Vorwurf gedacht. Das legt auch die Formulierung „schon wieder“ nahe.

Wie auf einen (wahrgenommenen) Vorwurf reagieren?

Statt in die Luft zu gehen, statt sich zu verteidigen oder das Gegenüber anzugreifen, ist es weit hilfreicher:

  • davon auszugehen, dass hinter dem Vorwurf ein Wunsch steckt
  • und den Wunsch direkt anzusprechen oder nach dem Wunsch zu fragen.

Noch ein Beispiel:

Ein Kollege pampt dich an: „Du hast schon wieder vergessen, das Protokoll gleich nach dem Meeting zu schicken.“

Statt dich zu verteidigen („Ich hab’s nicht vergessen, ich bin nur noch nicht dazu gekommen.“) oder in Angriff zu gehen („Du hast doch gestern auch vergessen, …“) lässt sich der sich anbahnende Streit entschärfen, wenn du beispielsweise ruhig und interessiert fragst:

„Wieso ist es dir so wichtig, das Protokoll gleich nach dem Meeting zu bekommen?“

Wenn in einem anderen Fall der dahinterstehende Wunsch nicht so klar ist wie im Beispiel, kannst du auch fragen:

„Was genau wünschst du dir?“ oder „Was ist dein Wunsch?“

Oder du greifst den Satz auf, der bei dir als Vorwurf ankommt, und baust ihn in eine Frage ein:

V: „Wir verbringen überhaupt keine Zeit mehr miteinander.“

W: „Du wünschst dir also, dass wir wieder mehr Zeit miteinander verbringen?“ Oder: „Du wünschst dir, dass wir (wieder) mehr gemeinsam unternehmen?“

Häufig fühlt sich dein Gegenüber dann verstanden und mit seinem Wunsch gesehen. Und schon kann es konstruktiv weitergehen.

Es kann natürlich passieren, dass dein Gegenüber weiterhin aufgebracht ist und sich vielleicht sogar auf den Arm genommen fühlt. („Natürlich, was denn sonst?“ oder so ähnlich könnte die Reaktion lauten). Dann ist es wichtig, weiter im Deeskalationsmodus zu bleiben und – je nach Situation – zum Beispiel einen konkreten Vorschlag zu machen, wie der (vermutete) Wunsch erfüllt werden könnte.

Die hohe Kunst der Kommunikation: Formuliere Wünsche statt Vorwürfe

Auch wenn der Ärger über eine Unterlassung oder eine Handlung verständlich ist: Vorwürfe führen selten dazu, dass die dahinterstehenden Wünsche auf eine positive Weise erfüllt werden.

Statt also erst einmal den Ärger beim Gegenüber abzuladen, ist es erheblich konstruktiver und zielführender, den Wunsch direkt zu formulieren. Auch wenn du es gefühlt schon hundert Mal gesagt hast.

Buchtipp

Hier noch die Infos zu Manfred Priors Buch, das aus meiner Sicht für alle zu empfehlen ist, die andere Menschen coachend, therapierend, beratend oder unterrichtend begleiten:

Manfred Prior: MiniMax-Interventionen
Carl Auer Verlag, 12,95 Euro

Ich verlinke bewusst nicht Amazon, sondern den Online-Shop der Autorenwelt, bei dem Du Bücher genauso schnell und genauso ohne Versandkosten erhältst – ohne aber einen Milliardär noch reicher zu machen. Das ist kein Affiliate-Link, ich habe keinerlei Vorteile aus der Verlinkung.

Bildquelle

Das Titelfoto stammt von Annie Spratt (via Unsplash).

 

Selbstakzeptanz

Wie du lernst, dich so sein zu lassen, wie du bist – und dadurch unerwünschtes Verhalten loslässt

Vielleicht kennst du das: Wenn wir ein bestimmtes Verhalten an uns ablehnen und es unbedingt loswerden wollen, dann klappt das – wenn überhaupt – nur kurzzeitig. Und Schwupps ist das unerwünschte Verhalten wieder da. Wir können uns noch so sehr anstrengen, es kommt immer mal wieder – vielleicht seltener, aber es kommt wieder. Ich behaupte sogar: Je heftiger wir etwas an uns ablehnen, desto schwieriger ist es, dieses Verhalten abzulegen.

So paradox es klingt: Nachhaltige und tiefgreifende Veränderungen erreicht man nicht durch Druck, Willenskraft oder Anstrengung, sondern nur über Selbstakzeptanz.

In der Gestalttherapie nennt man das das Paradox der Veränderung. Der Psychotherapeut Carl Rogers hat das so ausgedrückt:

„Wenn ich mich akzeptiere, wie ich bin, dann verändere ich mich.“

Wenn ich das im Coaching oder in Seminaren erkläre, kommt unweigerlich die Frage: „Und wie mache ich das? Ich weiß nicht, wie das geht: Mich so akzeptieren, wie ich bin.“

Selbstakzeptanz ist eine Fähigkeit

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A minute to arrive - Fokussiert

Eine Minute für dich: Wie dir diese Übung hilft, kurz innezuhalten und dich zu sammeln

Kennst du das: Du sitzt in einem Meeting oder führst ein Gespräch mit jemand, bist aber noch nicht wirklich da. Vielleicht bist du in Gedanken noch bei einem Anruf oder einem Erlebnis, das du gerade hattest, oder denkst noch über etwas nach, was du später tun willst. Auf diese Weise bist du nicht präsent und bekommst wahrscheinlich nur zum Teil mit, was dein Gegenüber sagt.

Wir haben unsere Tage oft sehr eng getaktet und hetzen von einem Termin zum nächsten oder haken eine Aufgabe nach der anderen ab. Es gibt schließlich so viel zu tun.

Nur: Damit nehmen wir uns die Möglichkeit, beispielsweise unangenehme Erlebnisse erst einmal zu verdauen oder nach einem ärgerlichen Erlebnis wieder runterzukommen. Umgekehrt geben wir uns oft auch nicht die Zeit, das gute Gefühl zu genießen, dass wir gerade etwas geschafft haben. Auf diese Weise können sich insbesondere negative Emotionen und Anspannung anstauen – wenn wir nicht aufpassen, nehmen wir sie dann von der Arbeit nach Hause mit.

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Heilsames Schreiben: Wie du dich mit Stift und Papier in eine bessere Stimmung bringst

„Ich kann alles abschütteln, während ich schreibe; meine Sorgen verschwinden, mein Mut wird wiedergeboren.“ Schrieb einst Anne Frank.

Tatsächlich kann Schreiben heilsame Wirkung haben. Das Schreiben kann uns helfen, eine düstere Stimmung aufzuhellen. Wir können uns damit in eine positive, erwartungsvolle, freudige Stimmung versetzen. Das Schreiben kann dazu beitragen, Selbstzweifel zu zerstreuen. Und es kann uns den nötigen Schub geben, eine länger aufgeschobene Aufgabe anzupacken.

Das Schöne daran: Schreiben können wir praktisch zu jeder Zeit und zu jedem Ort. Und wir brauchen keine andere Person dazu.

Es ist die einfachste und letztlich auch günstigste Art, unsere Stimmung ins Positive zu wenden und einen großen Schritt nach vorn zu tun.

Inzwischen gibt es eine riesige Auswahl an Schreibübungen. Ich habe drei Übungen für unterschiedlichste Zwecke herausgesucht.

Viel Freude damit – und auch viel Erfolg dabei.

Wenn du ins Tun kommen willst

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Hero's Journal

Wie du mit dem Hero’s Journal deine Ziele motiviert und kreativ umsetzt

Entdecke in diesem Selbstlernkurs, wie du wirklich tickst, wenn es darum geht, deine Pläne zu verwirklichen – und was du verändern kannst, wenn dir das bisher nicht so gut gelungen ist.

Du interessierst dich dafür, wie du mit Hilfe des Hero’s Journal deine Ziele erreichen kannst?

  • weil du dir mehr Zufriedenheit und Sinn in deinem Leben wünschst?
  • weil du gern einen anderen Umgang mit Selbstzweifeln und Ängsten finden möchtest?
  • weil du endlich herausfinden willst, wo es eigentlich hakt bei dir, damit du die Handbremse lösen und endlich durchstarten kannst?

Klarer Rahmen und Raum für Individualität

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Impuls: Was bereust du?

Kennst du das: Es gibt Dinge in deinem Leben, die du aus heutiger Sicht anders machen würdest als damals? Oder Dinge, die du damals nicht getan hast – worüber du dich heute noch ärgerst?

Impuls 1: Wie würdest du dich heute verhalten?

Such dir eine solche Situation, bei der du dein damaliges Verhalten bereust. Das kann etwas Kleines sein oder etwas Großes, vielleicht auch etwas, was dein Leben möglicherweise entscheidend verändert hätte.

Wie war die Situation? Wie hast du dich verhalten? Wie würdest du dich heute verhalten? Und was hätte das verändert?

Meine Empfehlung: Schreib das Ganze auf.

Impuls 2: Die Gedanken loslassen

Vielleicht kennst du das ja: Wenn wir etwas bereuen, kann daraus eine Gedankenschleife entstehen, die uns nicht mehr loslässt. Wir grübeln und grübeln, und kommen nicht mehr los davon.

Nimm noch einmal die Situation von vorhin: Kannst und willst du sie loslassen?

Wenn ja: Wirf den Zettel, auf den du sie geschrieben hast, weg. Oder lösch die Datei, falls du die Situation am Computer aufgeschrieben hast.

Ins Tun kommen

Wie du nach einer Unterbrechung wieder ins Tun kommst

Vielleicht kennst du das: Es läuft gut, du kommst gut voran, dann gibt es eine Unterbrechung oder Störung ― und schon ist der Schwung weg. Und je länger die Pause dauert ― Stunden, Tage, Wochen ―, desto schwieriger ist es, wieder in den Flow zu kommen.

Von deinem Umfeld kommt der gut gemeinte Rat: Hingefallen? Wieder aufstehen, Staub abklopfen (oder Krone richten), weitermachen.

Wenn das klappt: Wunderbar. Falls das nicht klappt, probiere die folgenden Tipps aus.

Tipp 1: dein Warum

Was ist der Grund, aus dem du dich für das Projekt entschieden hast, das darauf wartet, dass du weiter daran arbeitest?

Was versprichst du dir von dem Projekt?

Was wird anders sein, wenn es abgeschlossen ist?

Spricht irgendetwas dagegen, mit dem Projekt weiterzumachen?

Dann los. Weiterlesen

Bist du in deinem Körper zu Hause?

Was für ein Verhältnis hast du zu deinem Körper? Fühlst du dich wohl in deinem Körper? Rundum wohl oder zumindest in Teilen deines Körpers? Kümmerst du dich liebevoll um ihn? Oder nutzt du ihn im Grunde nur als Träger deines Kopfes? Vielleicht ist dein Körper auch „nur“ ein Panzer, mit dem du dich schützt.

Mit dieser Übung kannst du erforschen, wie du deinen Körper wahrnimmst, und dann (wieder) stärker in Kontakt mit ihm treten. Auch wenn du vielleicht – noch – ein eher zwiespältiges Verhältnis zu deinem Körper hast, kann das eine sehr aufschlussreiche und bereichernde Übung sein.

Körperbild zeichnen

Falls du einen großen Bogen Packpapier oder etwas Vergleichbares hast (mindestens 1,5 Meter breit und 2 Meter hoch), leg das Papier auf dem Boden aus. Leg dich rücklings auf das Papier und bitte eine zweite Person, mit einem dicken Filzstift deine Konturen zu umfahren. So hast du ein lebensgroßes Körperbild von dir.

Falls du kein Packpapier zur Hand hast, kannst du dir auch mit ein paar DIN-A4-Blättern behelfen. Zeichne auf ein Blatt einen groben Umriss deines Körpers. Der Umriss muss nicht maßstabgerecht und detailgetreu sein. Nutz aber ruhig die gesamte Höhe des Blattes.

In Kontakt mit deinem Körper treten

Häng das Körperbild an die Wand oder leg es auf den Boden.

Schau dir das Bild genau an.

Dann spür in dich hinein. Nimm dir Zeit für jedes Körperteil – dabei kann es helfen, eine Hand jeweils auf den Körperteil zu legen, um damit Kontakt aufzunehmen.

Wie geht es dir mit diesem Körperteil? Welche Gefühle sind damit verbunden? Positive? Negative? Ein neutrales Empfinden? Etwas ganz anderes?

Wie wohl fühlst du dich mit diesem Körperteil? Hast du da vielleicht Schmerzen? Fühlt es sich taub an? Oder vielleicht auch fremd, so als ob „das da“ überhaupt nicht zu dir gehören würde?

Welche Gedanken kommen dir zu diesem Körperteil?

Empfindungen und Gedanken notieren

Schreib diese Gefühle, Empfindungen und Gedanken auf: Wenn du ein körpergroßes Bild hast, schreib direkt in das Bild, dort, wo sich das jeweilige Körperteil befindet.

Wenn Du kleinere Blätter nutzt, leg um das Bild mehrere DIN-A4-Blätter herum und schreibe darauf – verbinde dann die Textblöcke über Linien oder Pfeile mit dem zugehörigen Körperteil.

Ergänze die Notizen im Lauf der nächsten Tage.

Wenn du Lust (und noch Platz auf dem Papier) hast, kannst du Körperteile auch miteinander kommunizieren lassen. Schreib auch das auf.

Mit Abstand betrachtet

Nach ein paar Tagen, wenn es nichts mehr hinzuzufügen gibt, tritt zwei, drei Schritte zurück und betrachte das Körperbild noch einmal.

Einige Stellen sind wahrscheinlich vollgeschrieben, während an anderen wenig oder gar nichts steht.

Schreib nun auf einem weiteren Blatt Papier auf, was dir beim Betrachten des Bildes auffällt. Was empfindest du, welche Gedanken gehen dir durch den Kopf?

Lies die Notizen ein, zwei Tage später noch einmal durch. Was empfindest du jetzt, welche Gedanken kommen jetzt?

Vielleicht hat sich etwas in deiner Sicht auf dich und deinen Körper verändert …

Und vielleicht hast du Lust, dich in den nächsten Tagen mit einigen Stellen deines Körpers näher zu beschäftigen, die bisher nicht so sehr im Fokus lagen.

Ich wünsch dir Freude beim Entdecken.

 

 

Die beiden Bilder sind von Depositphotos lizensiert.