Wachsen in einer Gruppe

Im Januar 2018 haben 2 Interessenten wieder die Möglichkeit, in unsere Gestaltgruppe reinzuschnuppern.

Was ist eine Gestaltgruppe?

Die Gestaltgruppe ist eine Selbsterfahrungsgruppe. Ziel ist, Dich selbst besser kennenzulernen, genauer zu erforschen, was Deine Bedürfnisse und Deine Werte sind, und welche Mechanismen Dich bisher daran hindern, Deine Lebendigkeit voll und ganz zu leben.

Die Gruppe bietet Dir dafür den Rahmen, trägt und unterstützt Dich durch achtungsvolle Rückmeldungen, und bietet Dir die Möglichkeit, das, was Dich in Deinem Wesenskern ausmacht, in Kontakt zu bringen.

Die Gruppe eignet sich für alle,

  • die ihre (vermeintlichen) Grenzen überwinden und Neues wagen wollen,
  • die an den Themen arbeiten wollen, die sie bewegen,
  • die den Austausch in einer Gruppe als wertvolle Ressource für sich entdeckt haben oder entdecken wollen,
  • die neugierig sind und ausprobieren wollen wie es ist, durch die regelmäßige Teilnahme an einer Gruppe Unterstützung zu bekommen.

Organisatorisches

Die Gruppe trifft sich alle zwei Wochen, jeweils montags von 19 bis ca. 21:30 Uhr. Der erste Termin, an dem Du teilnehmen kannst, ist Montag, 8. Januar 2018.

Wie läuft ein Gruppenabend ab?

  1. Körpererfahrung: Der Abend beginnt mit einer Körpererfahrung (Tanz, Bewegung, Atmen, Fantasiereise, Achtsamkeitsübung usw.).
  2. Austausch: Dann tauschen wir uns aus: Wie bist Du da? Was beschäftigt Dich im Moment? Was bewegt Dich?
  3. Einzelarbeit: Anschließend besteht die Möglichkeit, dass Einzelne mit einem der Leiter individuell an ihrem Thema „arbeiten“.
  4. Feedback: Die Gruppe ist dabei und unterstützt durch Rückmeldungen. Meist profitieren dabei alle Gruppenmitglieder, weil das angesprochene Thema innere Prozesse in Bewegung bringt.
  5. Abschlussrunde

Weitere Infos zur Gestaltgruppe.

Wenn Deine Fantasie Dich einschränkt

Wir leben auf zwei Ebenen: auf der Realitätsebene und auf der Fantasieebene. Auf der Realitätsebene sind wir in Kontakt mit unseren Gefühlen und dem, was wir im Inneren und im Außen wahrnehmen. Was wir sehen, hören, spüren, riechen, schmecken und was wir fühlen.

Auf der Fantasieebene interpretieren wir das, was wir wahrnehmen – und unterscheiden oft nicht zwischen der Wahrnehmung und der Fantasie. Da sehen wir jemand, der die Arme vor der Brust verschränkt – und „denken“ sofort, er würde uns ablehnen. Ohne diesen Gedanken zu hinterfragen und ohne unser Gegenüber zu fragen. Dann würden wir vielleicht erfahren, dass es unserem Gegenüber so geht wie einer Frau, die vor einiger Zeit an einem meiner Seminare teilgenommen hatte: Sie saß oft mit verschränkten Armen da, weil ihr so der Rücken weniger weg tat. Oder wir warten tagelang am Telefon und glauben, er oder sie würde sich nicht für uns interessieren – sonst hätte er oder sie doch schon längst angerufen. Und sie bzw. er tut das Gleiche und wartet ebenfalls.

Auf der Fantasieebene

Leider ist es so, dass viele von uns viel Zeit im Fantasiemodus unterwegs sind. Wir nehmen etwas wahr – und sofort geht das Kopfkarussell los, und wir geben uns unseren Fantasien hin. Statt mit dem Gegenüber in Kontakt zu treten und nachzufragen. Und statt auszusprechen, wie es uns geht, und zu schauen, wie die Reaktion ist.

Oft liegt das daran, dass wir Angst haben vor Ablehnung oder Zurückweisung oder davor, ausgelacht zu werden.

Angst vor Ablehnung

Ablehnung tut besonders weh bei Menschen, an denen uns etwas liegt. Und bei Menschen, zu denen wir in einer irgendwie gearteten Beziehung stehen, kann Ablehnung – ob nun eine tatsächliche oder fantasierte Ablehnung – richtiggehend bedrohlich werden. Wie es wäre, von den eigenen Eltern abgelehnt zu werden, vom Partner oder der Partnerin, von den Kindern, den Freunden, dem Chef, den Kollegen?

Diese Angst führt bei manchen auch dazu, dass sie erstarren und an einem Verhalten festhalten, das längst nicht mehr das gewünschte Ergebnis bringt. Die Angst, wenn sie ihr Verhalten änderten, würden sich die Menschen um sie herum abwenden und sie ablehnen.

Ein zurückhaltender, eher passiver Mann beispielsweise tut sich wahrscheinlich deshalb schwer damit, selbstbewusster aufzutreten, seine Meinung zu sagen oder gar Wut zu zeigen, weil er sich vor Ablehnung oder Sanktionen fürchtet. Eine junge Frau hält sich vielleicht zurück und geht nicht auf jemand zu, der sie interessiert, aus Angst, unweiblich zu erscheinen und als Frau abgelehnt zu werden.

Experimentierfeld

Die Ebene der Fantasie – genauer, der Angstfantasien – zu verlassen, fällt uns leichter, wenn wir positive Erfahrungen machen. Wenn wir ausprobieren können, wie es ist, Nein zu sagen, zu unserer Meinung zu stehen, unsere Bedürfnisse auszudrücken – ohne dass wir fürchten müssen, bei den Menschen auf Ablehnung zu stoßen, die uns wichtig sind. So lernen wir, mit unserer Angst vor Ablehnung umzugehen – und machen nicht selten die Erfahrung, dass neues Verhalten bei anderen sogar positiv ankommt. Etwa wenn der zurückhaltende Mann von vorhin zu seiner Meinung steht und so sichtbar und greifbar wird für sein Gegenüber.

Dieses Ausprobieren fällt leichter in einem sicheren Rahmen. Einen solchen Rahmen stellt eine geleitete Gruppe dar, in der erfahrene Coaches/Therapeuten einen geschützten Raum für Selbsterfahrung und für Kontakt öffnen. Einen Raum, in dem die Teilnehmer Neues wagen können und wertvolles Feedback erhalten.

Eine solche Gruppe besteht seit Anfang März in München. Es ist noch Platz für zwei Teilnehmer. Mehr dazu findest Du hier.

Das Foto stammt von Pixabay-Nutzer Willi Heidelbach.

Was ist denn mein Ruf?

„Wie weiß ich denn, was mein Ruf ist? Wie finde ich das heraus?“ Fragen dieser Art bekomme ich in letzter Zeit öfter zu hören, seitdem ich verstärkt von der Heldenreise erzähle.

Was Dein Ruf ist, kannst Du ganz leicht entdecken: Hör hin. Hör genau hin. Dein Ruf ist schon da, Du musst ihn nicht erst suchen.

Ich gehe davon aus, dass jeder von uns einen Ruf hat, einen Grund, auf der Welt zu sein. Und ich gehe davon aus, dass jeder seinen Ruf im Innersten auch kennt.

Nur ist es häufig so, dass etwas in uns den Ruf nicht hören will, also bewusst oder unbewusst weghört.

Den Ruf nicht hören wollen – was heißt das?

Wir haben häufig Angst vor den Konsequenzen. Wenn wir den Ruf ernst nehmen, müssten wir etwas ändern in unserem Leben. Das ist verständlicherweise mit Unsicherheit verbunden: „Ich weiß nicht, was passiert, wenn ich …“

Und wir riskieren Konflikte mit unserer Umwelt. „Wenn ich das mache, kriege ich Ärger mit meiner Familie. Das kann ich bei meinen Freunden nicht bringen, dann gehöre ich nicht mehr dazu. Ich kann doch nicht so egoistisch sein.“

Wenn wir etwas ändern in unserem Leben, verlassen wir die Komfortzone. Und das ist unbequem. Wir haben’s uns doch gerade so gut eingerichtet in unserem Leben. „Der Job passt, die Kinder entwickeln sich gut, die Nachbarn sind nett, …“

Und so mancher Ruf macht uns auch Angst – nicht vor den Konsequenzen, sondern vor unserer eigenen Courage. „Ist das nicht viel zu groß gedacht? Was werden die anderen denken? Werden sie denken, dass ich mich übernehme, dass ich überheblich bin, dass ich das nie im Leben schaffe?“

Die Frage ist: Bist Du bereit, die Konsequenzen zu tragen?

Es hat Konsequenzen, wenn Du Deinem Ruf folgst.
Und es hat Konsequenzen, wenn Du ihm nicht folgst.

Schon die Bremer Stadtmusikanten wussten: Wir haben nichts zu verlieren außer unserer Angst.

 

Das Foto stammt von Golda Falk, via Pixabay.
Autor: Franz Grieser

Mit Rückenwind ins neue Jahr

2016 soll es anders werden als in den Jahren davor? Bei vielen ist es ja so, dass schon im Februar alle guten Vorsätze fürs neue Jahr vergessen sind. Viele entschuldigen sich damit, dass sie nicht genügend Willenskraft oder Durchhaltevermögen haben oder dass äußere Umstände es nicht zugelassen haben.

Meiner Erfahrung nach liegt es in den allerseltensten Fällen an zu wenig Willenskraft oder zu geringem Durchhaltewillen. In den meisten Fällen sind es innere Widerstände, die uns die guten Vorsätze schnell vergessen lassen. Und es ist der Versuch, unsere Ziele mit großer Anstrengung zu erreichen, der so oft zum Scheitern führt – denn Anstrengung kostet Energie und Aufmerksamkeit, und beides steht uns nur in begrenztem Umfang zur Verfügung.

Rückenwind durch die Heldenreise im Januar

Dabei, dass 2016 anders wird, kann Dich die Heldenreise im Januar unterstützen: In der Heldenreise sorgst Du für Klarheit darüber, wohin Dein Weg führen soll, räumst innere Hindernisse aus und holst Dir den Schwung, den Du brauchst. Aus der Heldenreise kehrst Du mit einem klaren Plan für die nächsten Schritte in Dein Leben zurück. Eine Coaching- oder Gestaltsitzung bei einem der drei Leiter unterstützt Dich bei der Integration des Erlebten in Deinen Alltag.

Und in den sechs Monaten nach der Heldenreise bekommst Du einmal pro Monat eine Impuls-Mail mit Tipps und kleinen Übungen, die Dir helfen, an Deinem Ziel dran zu bleiben und äußere Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Weil das in einer Gruppe Gleichgesinnter leichter fällt, richten wir ein Online-Forum ein, in dem Du Dich mit Deinen Gefährten aus der Heldenreise austauschen kannst und in dem Ihr Euch gegenseitig unterstützt.

Übrigens: Bis zum 29. November gilt noch der Frühbucherpreis in Höhe von 600 Euro
(inkl. MWSt.) bzw. 400 Euro für Studenten, Azubis, Arbeitssuchende.

Das Foto stammt von Ulrike Mai, via Pixabay.
Autor: Franz Grieser

Der Dämon

Jeder Held braucht einen Gegenspieler, und zwar einen richtig starken. Was wäre Luke Skywalker ohne Darth Vader? Was wäre Frodo, der Hobbit, ohne Sauron? Was wäre Harry Potter ohne Voldemort?

Ohne einen starken Gegenspieler wären unsere Helden zuhause geblieben, wären Sesselhelden geblieben. Und schon hätten wir keine Abenteuergeschichte mehr.

So wie ein guter Hollywood-Film oder ein packender Abenteuerroman einen Helden und dessen Gegenspieler braucht, braucht auch die Heldenreise einen Helden und seinen Gegenspieler.

Der Dämon in der Heldenreise

Im Fall der Heldenreise nennt man Gegenspieler den Dämon. Anders als in den Hollywood-Filmen und den Romanen oder Märchen ist der Dämon kein zweites eigenständiges Wesen: Es ist ein innerer Anteil, eine Seite des Helden. Und dieser Anteil steht zwischen dem Helden und seinem Traum. Der Dämon verhindert, dass der Held seinem Ruf folgt und seinen Traum in die Wirklichkeit umsetzt – was auch immer der Traum, die Berufung des Helden ist.

Psychologisch gesprochen ist der Dämon der innere Widerstand im Helden, der ihn davon abhält, seinen Traum zu verwirklichen. Häufig ist das die Angst, was passieren könnte, wenn der Held die Sicherheit des Vertrauten aufgibt. Oder die Angst davor, nicht mehr dazu zu gehören, nicht mehr gemocht zu werden, bloßgestellt, ausgelacht zu werden. Oder auch: als Hochstapler hingestellt zu werden.

Der Held lernt seinen Dämon kennen

Meist ist uns dieser innere Anteil nicht oder nur teilweise bewusst. Oft suchen wir uns im Außen etwas, was uns – vermeintlich – daran hindert, unseren Traum zu verwirklichen: Der böse Chef; die Familie, die wir versorgen müssen (und wegen der wir den Job nicht kündigen können); die Erwartungen der Eltern, Partner, Freunde, von …

Aber letztlich ist es ein Teil in uns, der uns zurückhält.

Und diesen Anteil lernt der Held während seiner Heldenreise kennen. Denn, wie schon gesagt: Meist ist dem Held nicht bewusst, wer oder was ihn wirklich bremst. Deshalb erfährt der Held in der Heldenreise, wer sein Gegenspieler ist. Und er erlebt am eigenen Leib, wie viel Macht und Energie dieser Dämon hat – und was an Positivem, Lebendigem und auch Lustvollem im Dämon steckt.

Damit hat der Held einen wichtigen Schritt getan und kann sich nun seinem Dämon in der Konfrontation stellen.

Autor: Franz Grieser
Foto: Ron Riccio, Flickr

Der Held und sein Ruf

In das Heldenreise-Seminar kommen die Teilnehmer mit einem Ruf – letztlich ist es der Ruf, der sie ins Seminar bringt. Das kann ein innerer Ruf sein oder ein Anstoß von außen, oft von jemandem, der das Seminar schon besucht hat: „Geh dahin, das ist genau das, was du jetzt brauchst.“

Der Ruf als Antriebskraft

Sowohl der innere Ruf als auch der Anstoß von außen haben mit der aktuellen Situation des Teilnehmers zu tun. Die Teilnehmer kommen typischerweise mit einer von zwei Motivationen:

  • eine (innere) Not: „Etwas stimmt nicht in meinem Leben, ich will/muss da etwas ändern.“

  • eine Sehnsucht: „Mir geht’s gut im Leben. Und da ist noch mehr möglich – ich will mehr Lebendigkeit/mehr Erfüllung/Sinn im Leben/…“

Unabhängig von der Motivation ist die Klarheit über das Ziel, mit der die Teilnehmer kommen:

  • Ein Teil weiß genau, wo er hin will, was das Ziel ist, das er erreichen will. Was ihm nicht wirklich klar ist, sind die Gründe, aus denen er das Ziel noch nicht erreicht hat. Ein Tipp: „Ich hab zu wenig Willenskraft.“ ist es in der Regel nicht – die wahren Gründe sind den meisten nicht bewusst.

  • Der andere Teil weiß noch nicht genau, wo er hin will. Meist ist klarer, wovon man weg will, welche Situation man verändern will – nicht aber, was das konkrete Ziel ist.

Erfahrungsgemäß hat ein klares Zielbild höhere Zugkraft und hilft beim Erreichen des Ziels. Es fällt uns deutlich leichter, die bekannte Welt hinter uns zu lassen, wenn wir wissen, wohin es gehen soll.

Kurzer Einschub: Wenn Menschen in einer Situation verharren, die ihnen ganz offensichtlich nicht gut tut, dann sprechen Außenstehende gern davon, dass der Leidensdruck wohl noch nicht hoch genug ist. Einmal abgesehen davon, dass das sehr zynisch ist. Meiner Erfahrung nach ist das in den seltensten Fällen tatsächlich der Grund. Die meisten Menschen kommen erst dann oder erheblich leichter in Bewegung, wenn sie eine Vorstellung davon haben, wohin die Reise gehen soll. Die allerwenigsten würden sich auf eine gefährliche Reise machen, ohne zu wissen, wohin sie fahren. Auch ein Columbus hatte schließlich ein Ziel, zu dem er aufgebrochen ist.

Den Held im Held wecken

Deshalb geht es am zweiten Tag der Heldenreise auch darum, den Ruf zu konkretisieren, so dass sich der Held mit einem klaren Ziel vor Augen auf den Weg machen kann.

Auf seiner Reise werden sich dem Held verschiedene Hindernisse in den Weg stellen. Darum braucht er Fähigkeiten und teilweise auch Unterstützung von außen. Diese Fähigkeiten, seine Ressourcen, bringt er bereits mit. Oft sind sie allerdings verschüttet und dem Helden gar nicht (mehr) bewusst. In mehreren Übungen am „Heldentag“ machen die Helden sich diese Ressourcen wieder zugänglich. Und sind dann bereit, sich – nach dem Heldenbankett am Abschluss des Tages – auf ihre Heldenreise zu wagen.

Das Bild stammt von Pixabay-Nutzer Skeeze.

Die Stationen der Heldenreise

Das Heldenreise-Seminar von Paul Rebillot baut auf der von Joseph Campbell herausgearbeiteten Grundstruktur auf, die Märchen und Mythen auf aller Welt zugrunde liegt, die hero’s journey. Rebillots Heldenreise ist nicht identisch mit der Struktur, die Campbell gefunden hat – dazu mehr am Ende dieses Beitrags.

Zunächst erläutere ich Campbell’s hero’s journey.

Die Heldenreise nach Joseph Campbell

Campbell zufolge hat eine typische Heldenreise folgende Stationen:

1. Der Ruf: Der Protagonist wird vor eine Aufgabe gestellt – entweder von außen (jemand bittet ihn, etwas zu tun, es tritt ein Ereignis ein, auf das er reagieren muss, …) oder aus innerem Antrieb heraus.

2. Weigerung: Oft zögert der Protagonist – schließlich müsste er die Sicherheit des gewohnten Terrains (den warmen Herd) verlassen.

3. Aufbruch: Er überwindet sein Zögern und macht sich auf die Reise; manchmal braucht es dazu einen mehr oder weniger sanften Schubs von außen. Erst wenn er sich auf den Weg macht, spricht man von Held.

4. Die erste Schwelle: Mit dem Aufbruch überschreitet der Held die Schwelle von der gewohnten Welt in die unbekannte Welt. Ein Zurück ist nun nicht mehr möglich.

5. Weg der Prüfungen: Es treten erste Hindernisse/Probleme auf; oft scheitert der Held erst einmal, geht aber weiter seinen Weg.

6. Mentoren/Übernatürliche Hilfe: Der Held trifft unerwartet auf einen oder mehrere Mentoren und erhält menschliche oder übernatürliche Unterstützung.

7. Schwere Prüfungen: Der Held wird mit weiteren Prüfungen konfrontiert, meist mit steigendem Schwierigkeitsgrad. Auch hier kann der Held Unterstützung durch Mentoren oder andere Personen erhalten.

8. Höchste Prüfung (z. B. Kampf mit dem Drachen): Diese erweist sich häufig als Kampf gegen die eigenen inneren Widerstände und Illusionen.

9. Elixier: Initiation und Transformation des Helden. Er besteht die höchste Prüfung und erhält eine Belohnung bzw. raubt einen Schatz (das Elixier, so Campbell), der die Welt des Alltags, aus der der Held aufgebrochen ist, retten kann. Dieser Schatz besteht meist in einer inneren Erfahrung, die durch einen Gegenstand symbolisiert wird.

10. Verweigerung der Rückkehr: Der Held zögert, in die Welt des Alltags zurückzukehren.

11. Verlassen der Unterwelt: Der Held wird durch innere Beweggründe oder äußeren Zwang zur Rückkehr bewegt.

12. Rückkehr/Zweite Schwelle: Der Held überschreitet die Schwelle und kehrt in die Welt zurück, aus der er ursprünglich aufgebrochen war. Dort stößt er häufig zunächst einmal auf Unglauben oder Unverständnis, und muss das auf der Heldenreise Errungene/Gelernte in das Alltagsleben integrieren.

13. Herr zweier Welten: Der Held vereint das Alltagsleben mit seinem neu erworbenen Wissen und lässt die Gesellschaft teilhaben.

Wohlgemerkt: Diese 13 Schritte sind ein Grundgerüst. Nicht jedes Märchen, nicht jeder Roman oder Kinofilm hat alle diese Elemente. Manche Helden stürzen sich gleich nach dem Ruf ins Abenteuer, die Phasen 5 bis 7 können unterschiedlich lang sein.

Hinweis: Lt. Wikipedia und anderen Quellen besteht die Struktur nach Campbell aus 12 Schritten. In Campbells Buch „Der Heros in tausend Gestalten“ zähle ich 16 Schritte, die ich hier zu 13 zusammengefasst habe.

Die Heldenreise-Struktur bei Paul Rebillot

Die Struktur des Heldenreise-Seminars von Paul Rebillot ist nicht hundertprozentig identisch mit der Heldenreise-Struktur nach Joseph Campbell. So nimmt aus dramaturgischen Gründen in Rebillots Seminar der Teil bis zur ersten Schwelle größeren Raum ein, und der Weg der Prüfungen ist vergleichsweise kurz.

In Märchen und Hollywood-Filmen dagegen wird gerade der Weg der Prüfungen sehr stark ausgeschmückt, weil da der Zuhörer bzw. Zuschauer so schön mit dem Helden mitfiebern kann. Darum geht es jedoch in Rebillots Heldenreise-Seminar nicht – im Seminar geht es um die persönliche Transformation nach der Konfrontation mit den inneren Widerständen.

Paul Rebillot hat sein Seminar ursprünglich auf 7 Tage ausgelegt, üblicherweise wird es heute in 6 sehr intensiven Tagen durchgeführt:

1. Tag: Die Lebensumgebung des Helden und sein Ruf (das entspricht der Alltagswelt und dem Ruf bei Campbell)

2. Tag: Der Held (hier tauchen die Teilnehmer in ihren Helden ein und finden Mentoren)

3. Tag: Der Dämon (der Teil ist ausführlicher als bei Campbell, weil es bei Rebillot sehr viel um die inneren Widerstände des Helden geht – symbolisiert durch den Dämon)

4. Tag: Das Instrument der Kraft; die Konfrontation (das Instrument ist ein weiterer „Mentor“; an der Schwelle kommt es zur Konfrontation zwischen Held und Dämon)

5. Tag: Die höchste Prüfung (der Held integriert die Kräfte und Fähigkeiten des Dämons; dann überschreitet er die Schwelle in die unbekannte Welt und erlebt dort seine schwerste Prüfung)

6. Tag: Belohnung und Rückkehr (der Held findet seine Belohnung und kehrt mit all dem Gelernten als Herr zweier Welten in die Alltagswelt zurück)

Die drei wesentlichen Unterschiede zwischen Rebillots und Campbells Struktur:

  • Im Heldenreise-Seminar nach Rebillot verbringen wir einen ganzen Tag damit, den Dämon zu erkunden. Schließlich ist das der innere Anteil des Teilnehmers, der ihn bisher daran hindert, seine Träume/Visionen in die Realität umzusetzen. In den allermeisten Märchen und Mythen erfährt man kaum etwas über die Hintergründe des Drachen (oder wer auch immer der Widersacher des Helden ist).

  • Anders als in Märchen und Mythen tötet der Held den Dämon im Heldenreise-Seminar nicht – der Dämon ist schließlich ein Teil des Helden. Stattdessen integriert der Held den Dämon und macht sich dessen Kräfte und Fähigkeiten zu eigen.

  • Das Überschreiten der Schwelle kommt im Heldenreise-Seminar sehr spät. Rebillot geht es eben nicht um die Abenteuer, sondern um die innere Entwicklung der Teilnehmer. Sein Anliegen ist es, die beiden inneren Pole – symbolisiert durch Held und Dämon – deutlich herauszuarbeiten, damit es am 5. Tag zur Verbindung beider Pole und zur Transformation kommen kann. Dann ist der Held+Dämon in der Lage, sich der höchsten Prüfung, seiner tiefsten Angst, zu stellen.

Autor: Franz Grieser

Was, bitteschön, ist ein Held?

Ehrlich gesagt hatte ich mit dem Begriff „Held“ lange Zeit Schwierigkeiten. Held – das klang für mich martialisch, nach Krieg, nach Dummheit. Sehr „heroische“ Figuren in Filmen oder Büchern haben mich befremdet, weil sie mir stilisiert vorkamen. Weil mir die Echtheit fehlte. Und überhaupt: Ist ein Held etwas Besonderes, jemand, der über anderen steht?

Und so hätte mich ein Seminar, das „Heldenreise“ heißt, vermutlich nicht angesprochen.

Bis eines Tages mein Mann auf Heldenreise ging. Als er zurückkam, konnte ich sofort sehen und spüren, welche Intensität und welche Möglichkeiten in diesem Seminar stecken. Ein paar Monate später machte ich mich selbst auf die Reise, noch ein wenig skeptisch, ob diese Reise auch bei mir solche Veränderungen zum Positiven bewirken kann. Ob sie mich erreichen kann. Das tat sie.

Ich bin immer noch nicht glücklich mit dem Begriff „Held“. Man könnte das, was gemeint ist, vielleicht auch anders nennen – mir ist nur noch nichts eingefallen, was knackiger beschreiben könnte, worum es geht. Aber: Mein Bild des Helden hat sich verändert – oder vielleicht sollte ich sagen: konkretisiert.

Für mich ist ein Held ein Mensch, der einen Moment innehält, in sich hinein – und in die Welt hinein – lauscht und wahrnimmt, was der „Ruf“ ist. Worum geht es wirklich? Was ist mir wirklich wichtig? Was will ich wirklich erreichen, leben?

Ein Held ist für mich derjenige, der im Rahmen seiner Möglichkeiten, diesem Ruf folgt. Und sich dabei allen Widerständen im Innen und Außen stellt. Es geht dabei nicht um Sieg, Besiegen, etwas auf Kosten anderer zu erreichen – sondern einzig und allein darum, seiner Sehnsucht zu folgen und sie bestmöglich zu leben. Das ist, wie wir alle wissen, eine große Aufgabe!

Autorin: Madeleine Streiber