Buchempfehlung: Gute Tage trotz Krebs

Wie es an Krebs Erkrankten gelingt, ihre Tage und Nächte so gut wie möglich zu gestalten ― das zeigt Sabine Dinkel in ihrem dritten Buch zum Thema Krebs. Das Buch ist Ratgeber und Mutmacher in einem. Und auch Sabines unglaublicher Humor strahlt durch das ganze Buch.

Der Schwerpunkt liegt allerdings auf dem Ratgeber-Aspekt. Ganz praktisch: Was ist zu tun, wenn ich die Diagnose Krebs bekomme? Wie sorge ich immer wieder dafür, mich in einen guten Zustand zu bringen? So gut es mit dieser Krankheit eben geht.

Sabine zeigt, welche Einstellung zur Krankheit hilfreich ist, welchen Einfluss die Sprache auf unser Erleben hat, und wie wichtig es ist, wie man und frau sich mit der Krankheit selbst definiert. Gerade in dieser Hinsicht war sie für mich ein leuchtendes Beispiel – „war“, weil sie im Juli 2020 nach vier Jahren mit Krebs gestorben ist.

Zwei Schwerpunkte des Buchs sind für mich „Glücklich sein mit Schnieptröte“ und die Selbstfürsorge. Dazu gibt Sabine eine Fülle schöner Anregungen. „Schnieptröte“ war übrigens der Name, den sie ihrer Krebserkrankung gab; ihre Angst taufte sie „Hildegard“. Ganz praktisch sind die Tipps gegen die Angst, formuliert aus der Perspektive von Hildegard.

Der natternstielige Schleimfuß

Auf vielen Seiten animiert Sabine zum Mitmachen und Ins-Buch-Reinschreiben, etwa „Booster für die Seele“ und Schimpfwörter für die eigene Schnieptröte. Genial ihre Vorschläge aus dem Pilzbestimmungsbuch: „Du natternstieliger Schleimfuß“ oder „zinnoberroter Pustelpilz“.

Zu verschiedenen Themen, etwa dem Umgang mit Schmerz und Übelkeit, nennt sie weiterführende Literatur. Und im Serviceteil an Schluss hat sie eine Reihe von Hilfsangeboten aufgeführt: Selbsthilfegruppen, Lebens- und Sterbeammen, den gemeinnützigen Verein „Nana ― Recover your Smile e.V.“ und noch vieles mehr. Und in Ihrem letzten Kapitel, treffend „Is this the end?“ betitelt, geht es genau darum: Was ist noch zu erledigen, damit man/frau gut auf das Ende vorbereitet ist?

Leseempfehlung

Eine absolute Leseempfehlung für alle, die an Krebs erkrankt sind, für ihre Familien und Freunde und für Menschen, die sie pflegend, therapeutisch oder auf andere Weise auf ihrem Weg begleiten.

Sabine Dinkel: Gute Tage trotz Krebs
Humboldt Verlag
176 Seiten, 19,99 Euro

Warum ein 3-Sterne-Koch es liebt, Fehler zu machen

Der französische Koch Alain Passard, Inhaber eines 3-Sterne-Restaurants in Paris, sagte in einem Interview im Magazin der Süddeutschen Zeitung 2017: „Wir [gemeint: in unserem Restaurant] suchen Fehler. … Um uns korrigieren zu können. Ein Koch, der sich nicht mehr korrigiert, verliert seine Magie. Ich liebe es, Fehler zu machen. Es gibt keinen anderen Weg, um seine Kunst weiterzuentwickeln. Wenn alles perfekt ist, gibt es keinen Fortschritt, man verharrt im Status quo und ist dann auch ganz schnell gelangweilt.“

Sterne-Köche haben angeblich vor nichts so viel Angst wie davor, ihre Sterne zu verlieren. Denn die Sterne, die der Hotel- und Restaurantführer Guide Michelin jedes Jahr als Bewertung von Restaurants vergibt, gelten als höchste Auszeichnung für den Chefkoch und die Küche.

Wenn nun ein Sterne-Koch lieber Fehler macht, um nicht im Status quo zu verharren, und damit seine Sterne riskiert: Wie wäre es mit einem kleinen Experiment? Wie wäre es, wenn du ganz bewusst ausprobierst, Fehler zu machen? Selbstverständlich nicht in einem Bereich, in dem es um Leben und Tod geht oder von dem deine Beziehung, dein Job oder etwas anderes Wichtiges abhängt.

Kreativ-Experiment: Lustvoll Fehler machen

  1. Suche dir ein Vorhaben, das in den nächsten Tagen ansteht und von dem nichts Lebenswichtiges abhängt.
  2. Nimm dir einen Zettel und notiere, worin das Vorhaben besteht, was das Ergebnis sein soll und welche Schritte dazu nötig sind.
  3. Nun überlege für jeden dieser Schritte, was du da falsch machen könntest.
  4. Suche dir zwei Schritte heraus, bei denen du etwas falsch machen könntest. Notiere dir, welche Fehler du hier absichtlich machen könntest.
  5. Male dir für jeden dieser Fehler in Gedanken aus, was dann passieren könnte.
  6. Die Konsequenzen, die du dir in Schritt 5 ausgemalt hast, waren wahrscheinlich eher negative. Jetzt überlege dir, für wen die Fehler positive Folgen haben könnten. Notiere, wer von den Fehlern profitiert und wie. Da dürfen auch lustige und an den Haaren herbeigezogene Konsequenzen sein.
    Ein Beispiel: „Wenn ich ausrutsche und mir die Hose zerreiße, dann freut sich meine Freundin, weil ich dann endlich die abgewetzte Cordhose wegwerfe.“

Der Beitrag ist ein Auszug aus meinem Buch Gut genug statt perfekt“, das im September erschienen ist.

Das Titelfoto stammt von Johnathan Macedo auf Unsplash.

Meine Reise nach Utopia: So einfach geht nachhaltiges Leben

Das Journal, das ich in Kooperation mit Utopia.de verfasst habe, lädt ein, Schritt für Schritt in ein bewusstes und nachhaltiges Leben zu starten. Es ist ein Mitmachbuch, das die Leser*innen durch ein ganzes Jahr begleitet.

Nachhaltiges Leben bedeutet für mich nicht nur, achtsam und verantwortungsvoll mit der Welt umzugehen, in der wir leben. Nachhaltiges Leben bedeutet genauso auch: achtsam und verantwortungsvoll mit mir selbst umzugehen,  auf meine Bedürfnisse zu achten und diese in Einklang mit den Bedürfnissen meiner Umwelt zu leben.

Für jede Woche des Jahres gibt es zwei Doppelseiten:

  • Eine Doppelseite mit Anregungen für umweltbewusstes Verhalten; hinzu kommt einmal im Monat ein Impuls zur persönlichen Entwicklung.
  • Plus eine Doppelseite mit viel Platz zum Reinschreiben oder Zeichnen, auf der man Reflexionen zu einem Thema, Erfahrungen und Notizen festhalten kann.

Verfasst habe ich das Journal in Zusammenarbeit mit Utopia.de, der größten Nachhaltigkeitsplattform Deutschlands.

Praktische Tipps für ein nachhaltiges Leben

Die Praxistipps sind thematisch gegliedert (hier nur einige Beispiele):

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Impuls: Was nährt dich?

Im Alltag verbringen wir viel Zeit mit Machen, Tun, mit Geben. Wann und wie tankst du auf? Was tut dir gut, wie füllst du deine Batterien wieder auf? Und wovon könntest du mal wieder mehr tun?

Bevor du loslegst

Lies diesen Beitrag nicht einfach nur und leg ihn dann beiseite. Meine Empfehlung: Mach dir schriftlich Notizen, wenn du die folgenden Fragen beantwortest. Das Aufschreiben hilft dir dabei, konkret und klar zu werden. Außerdem hast du dann schwarz auf weiß, was es an Nährendem in deinem Leben gibt.

Falls du jetzt gerade keine Zeit dafür hast: Block dir eine halbe Stunde im Kalender und beschäftige dich dann mit diesen Fragen.

1. Was nährt Dich?

Das kann ganz wortwörtlich Nahrung sein, das können aber auch im übertragenen Sinn Erlebnisse sein, Begegnungen, die Natur, Musik, Tanzen, Sport, Musik … Alles, was dir guttut, bei dem du auftankst. Was ist es bei dir?

2. Nachspüren

Nimm dir ruhig etwas Zeit, genau hinzuspüren: Wie fühlt es sich an? Wo im Körper spürst du, dass dich … nährt?

3. Wie kannst du mehr Nährendes in dein Leben bringen?

Wovon könntest du mehr tun?

Und ganz konkret: Wie holst du dir diese Woche mehr Nährendes in dein Leben? Was genau? Wann, wie, mit wem?

 

Wieso Aufschieben in einen Teufelskreis führt – und was du dagegen tun kannst

Das Aufschieben von unangenehmen Dingen oder von Aufgaben, die wir – sagen wir mal – schwierig finden, ist eine ganz normale Reaktion. Das Aufschieben ist eine Vermeidungsstrategie: Wir schieben etwas auf, um die damit verbundenen unangenehmen Gefühle zu vermeiden. Meist sind das Zweifel oder Ängste, denen wir uns – verständlicherweise – nicht aussetzen wollen.

Das Problem: Die Aufgaben, die wir aufschieben, erledigen sich nicht von alleine. Meistens jedenfalls. Irgendwann müssen wir die Steuererklärung machen, die Präsentation vorbereiten, die Bachelor- oder Master-Arbeit schreiben. Oder eine Entscheidung treffen oder etwas anderes tun, das uns unseren Zielen näher bringt. Weiterlesen

Buchempfehlung: Loslassen – wie du echte emotionale Freiheit gewinnst

Meine Kollegin Heide Liebmann hat kürzlich ein Buch zum Thema Loslassen veröffentlicht, das ich sehr empfehlen kann. Es ist ein kompaktes Mitmach-Buch, in dem Heide 33 Methoden vorstellt, die in bestimmten belastenden Situationen hilfreich sind.

Thematisch gegliedert ist das Buch nach Methoden zu diesen Schwerpunkten:

  • Stress und Anspannung loslassen
  • Erwartungen loslassen
  • Träume loslassen
  • Das alte Selbstbild loslassen
  • Perfektion und Kontrolle loslassen
  • Scham und Schuldgefühle loslassen
  • Trauer und Trennungsschmerz verarbeiten
  • Belastende Erinnerungen loslassen

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Impuls: deine Ressourcen bewusst nutzen

Vielen Menschen ist gar nicht bewusst, was sie alles können, welche Fähigkeiten und positiven Eigenschaften sie haben. In anderen Worten: welche Ressourcen ihnen zur Verfügung stehen. Das, was uns leicht fällt, was wir gut können, finden wir häufig „ganz normal“, gar nicht erwähnenswert. Dabei sind es genau diese Dinge, die uns dahin gebracht haben, wo wir heute stehen.

Und so lange uns nicht bewusst ist, was wir alles „auf dem Kasten haben“, können wir diese Ressourcen nur eingeschränkt nutzen – und uns damit zeigen.

Und genau darum geht es in diesem Beitrag:

  • Welche Ressourcen ― Fähigkeiten, Eigenschaften – hast du überhaupt?
  • Wie kannst du sie ganz bewusst einsetzen?

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Kaizen statt Perfektion

Jacob und ich hatten keinen guten Start miteinander. Bei einer Abendessenrunde hatte uns eine gemeinsame Freundin nebeneinander platziert und uns so vorgestellt: „Das ist Jacob, der größte Perfektionist, den ich kenne. Und das ist Franz, er hat ein Buch geschrieben, in dem er Perfektionisten beibringt, wie sie endlich ein richtiges Leben führen.“[1]

Ich kam gar nicht dazu, zu sagen, dass in meinem Buch für Perfektionisten nicht steht, wie man ein richtiges Leben führt. Jacob war schneller: „Ich brauche keinen Ratgeber, schon gar keinen, der mir empfiehlt, mich mit halben Sachen zufrieden zu geben. Nur wer perfekt ist, ragt aus der grauen Masse heraus und kann Großartiges leisten. Ich gebe immer 150 Prozent, für alles andere ist mir meine Zeit zu schade.“ Er holte tief Luft und legte nach: „Und überhaupt: Wenn Du im OP-Saal liegst, dann willst Du sicher auch, dass der Chirurg perfekt arbeitet.“

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Buchempfehlung: Strandgut-Poesie von Sabine Dinkel

Moin. Du magst schrägen Humor, Bild- und Wortwitz und überraschende Lösungen? Dann auf in den nächsten Buchladen oder den Onlineshop des HAWEWE Verlags und Sabine Dinkels Buch „Strandgut-Poesie“ kaufen.

Du bist immer noch da? Also, gut, dann verrate ich etwas mehr.

Sabine Dinkel ist auf ihren Strandspaziergängen an der dänischen Nordseeküste im letzten Jahr allerlei seltsamen Figuren begegnet. Etwa dem alten Fischer Paule Piepensack, der Piratenbraut Paloma Pegleg, Urenkelin des legendären Flaus Klörtebeker, dem Meeresgrantler Fritze Funzel und der Hula-Hoop-Künstlerin Hoop Peng. Dazu diversen Heulern, Schnepfen und Küstenschutzengeln und…

Wo andere sich auf Strandspaziergängen über den angespülten Müll ärgern und weitergehen, blieb Sabine stehen, schaute genau hin und erkannte, dass sich in den Plastikteilen, Muschelstücken und anderem Zeuch die seltsamsten Wesen verbergen. Bei dem ganzen Wellengeschaukel hatte sich zwar der ein oder andere Arm gelöst, und der Kopf und der Rumpf waren über den Strand verstreut. Sabine sammelte alle Teile ein, nahm sie mit, setzte sie (neu) zusammen und schrieb die Geschichten der Wesen auf. Weiterlesen

Die Besonderheiten von Gestalt-Aufstellungen

„Worin unterscheiden sich Gestalt-Aufstellungen von Familien- oder anderen Aufstellungen?“ Wenn ich eine Frequently-Asked-Questions-Seite einrichten würde, wäre diese Frage ganz oben auf der Liste.

Ich versuche, die Frage erst in einer kurzen und danach in einer ausführlicheren Fassung zu beantworten.

Wichtig dabei: Ich beschreibe meine persönliche Art, Aufstellungen zu leiten. Andere Gestalt-Aufsteller gehen in Nuancen anders vor. Grundsätzlich lassen wir uns aber von unserer Grundhaltung als Gestalttherapeut*innen leiten.

Zu Gestalt-Aufstellungen

Eine Gestalt-Aufstellung ist eine besondere Form der Aufstellung, die von Karin Guhn-Weiß entwickelt wurde (1) und inzwischen von einigen Gestalttherapeut*innen auf der Grundlage des Gestalt-Verständnisses durchgeführt wird. Und genau das führt zu den Unterschieden zu klassischen Familien- und zu systemischen Aufstellungen.

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