Aufschieberitis Aufschieben

Wann sich das Aufschieben lohnt

Aufschieben, etwas auf die lange Bank schieben – das gilt als Zeichen von Schwäche, von mangelnder Disziplin. Ein altes deutsches Sprichwort lautet: „Des Teufels liebstes Möbelstück ist die lange Bank.“

Aber nicht jedes Aufschieben ist schlecht

Es kann sein, dass wir bei einem Projekt zuerst gut vorangekommen sind, dann aber plötzlich hängen bleiben und uns immer wieder beim Aufschieben ertappen. Das ist nicht selten ein Hinweis darauf, dass irgendetwas in dem Projekt nicht mehr passt oder noch nicht passt.

Es kann zum Beispiel sein,

  • dass wir uns in einem Projekt verrannt haben,
  • dass wir mittendrin die falsche Abzweigung genommen haben,
  • dass sich unser Ziel verändert hat,
  • dass wir ein Problem oder Thema noch nicht richtig durchdrungen haben,
  • dass wir ein Problem noch nicht gelöst haben,
  • dass wir eine Entscheidung noch nicht getroffen haben.

In diesen und ähnlichen Fällen ist das Aufschieben Teil des Prozesses, es gehört dazu. Es ist entweder nötig, weil etwas noch nicht „verdaut“ ist. Oder es ist ein wichtiger Hinweis darauf, dass etwas nicht stimmt.

Wo genau klemmt es?

Wo genau es haken kann, machen diese Beispiele deutlicher.

Aufschieberitis

1. Im Projekt verrannt

Eine Romanautorin hatte mir erzählt, dass sie bei einem ihrer Bücher im letzten Drittel hängen blieb und über Wochen nicht vorankam. Sie plant den Plot (also den Handlungsablauf) ihrer Bücher immer ganz detailliert, bevor sie mit dem Schreiben loslegt. Das hatte jahrelang funktioniert, nur bei diesem einen Roman nicht. Sie war kurz davor, das Projekt „auf immer und ewig in der Schublade verschwinden zu lassen“.

Wir schauten uns gemeinsam an, was sie schon geschrieben hatte und wie es weitergehen sollte. Der Plot war schlüssig, er hatte tolle Wendepunkte, bis zum Schluss war es spannend. Was nicht passte, das war der Gegenspieler des Protagonisten. Dieser Gegenspieler würde sich nie so verhalten, wie der Plot das an mehreren Stellen vorsah. Und an einer dieser Stellen war die Autorin stecken geblieben.

Da half nur: Einen Schritt zurücktreten, sich das Ganze mit etwas Abstand anschauen und dann eine Entscheidung treffen. Die Autorin nahm den widerspenstigen Gegenspieler aus der Geschichte und baute einen anderen ein, der viel besser passt. Der widerspenstige Gegenspieler macht inzwischen in ihrem nächsten Roman dem Helden das Leben schwer.

2. Ein inhaltliches Problem ist noch nicht gelöst

Ich habe lange Zeit Artikel und Blogbeiträge für Verlage und Firmen geschrieben. Bei einigen davon bin ich nach zügigem Start gegen eine imaginäre Wand gelaufen – plötzlich ging es nicht weiter, und ich hatte erst einmal keine Ahnung, was los war.

Mit etwas Abstand wurde mir dann klar, wieso ich auf einmal wie blockiert war. Dafür gab und gibt es ganz unterschiedliche Gründe:

  • Die Artikelidee klang zwar gut, reichte aber nicht für einen längeren Artikel.
  • Ich hatte einen Anfang, wusste aber nicht, wie es weitergehen sollte.
  • Ich hatte die Überschrift und den Schluss des Artikels, wusste aber nicht, wo ich anfangen und wie ich elegant zum Schluss kommen sollte. Anders ausgedrückt: Es fehlte mir noch der rote Faden.
  • Die Grundthese des Artikels stimmte einfach nicht.
  • Ich war von zwei Leuten gebrieft worden, die Briefings widersprachen einander aber (teilweise oder komplett).
  • Das vom Kunden gewünschte Artikelthema war Käse. Und ich ärgerte mich, dass ich überhaupt zugesagt hatte.

Um nur die Gründe zu nennen, an die ich mich gerade erinnere.

In diesen Fällen war es letztlich nachvollziehbar, warum ich mittendrin ins Stocken geraten war. Da war entweder ein klärendes Gespräch mit den Auftraggebern nötig oder mehr Recherche, weitere Überlegungen oder eine zündende neue Idee.

3. Ein persönliches Problem ist noch nicht gelöst

Nicht selten wird Aufschieben durch Selbstzweifel und Ängste ausgelöst: Kann ich das überhaupt? Bin ich gut genug? Was wenn ich scheitere? Was wenn es ein voller Erfolg wird – kriege ich dann von den Neidern eins auf den Deckel?

In diesem Fall ist das Aufschieben in der Regel nicht besonders produktiv. Dann ist das Aufschieben kein wichtiger Hinweis, dass INHALTLICH etwas nicht stimmt. Dann ist das Aufschieben eine (meist unbewusste) Vermeidungsstrategie: Ich versuche, die Situation zu vermeiden, vor der ich Angst habe.

Darum soll es in diesem Beitrag allerdings nicht gehen – auch weil da die Tipps aus diesem Beitrag nicht weiterhelfen. Da ist es nötig, sich mit den Zweifeln und Ängsten zu beschäftigen – das ist ein Fall für ein Coaching oder auch für mein Seminar, bei dem du lernen kannst, wie du die Aufschieberitis ablegst.

Aufschieberitis

Wie erkenne ich, ob es sich um unproduktives Aufschieben handelt oder ein wichtiger Teil des Prozesses ist?

Der allererste Schritt ist: Bemerken, dass man gerade am Aufschieben ist. Da hilft die Frage: Tue ich gerade, was jetzt zu tun ist? Oder weiche ich aus, treibe mich auf Social-Media-Netzen herum, spiele etwas oder …?

Wenn ich selbst mich beim Aufschieben ertappe, mache ich buchstäblich einen Schritt nach hinten. Das heißt: Ich stehe auf und gehe weg vom Arbeitsplatz. Ich stelle Abstand her – solange ich mittendrin (in der Scheiße) sitze, kann ich nicht klar sehen.

Ich versuche, in Bewegung zu kommen. Körperlich – und damit auch geistig.

Oft reicht es schon, in die Küche zu gehen oder raus aus dem Haus. Und manchmal braucht es einen kurzen oder einen längeren Spaziergang.

Auf dem Spaziergang oder danach frage ich mich:

  • Was stimmt an der Geschichte (oder Idee oder …) nicht?
  • Wenn ich einen Schritt zurückgehe: Wie sieht es dann aus?
  • Kann es sein, dass ich mich verrannt habe?
  • Kann es sein, dass mein ursprüngliches Ziel nicht mehr passt?
  • Kann es sein, dass ich … noch nicht verstanden habe?
  • Kann es sein, dass ich mir zu viel vorgenommen habe? Oder dass ich zu viel will?
  • Brauche ich vielleicht noch mehr Infos, um entscheiden zu können?

Wenn ich eine dieser Frage mit Ja beantworte (bzw. auf die ersten beiden Fragen eine Antwort habe): Wunderbar, dann weiß ich, wo es gilt, genauer hinzuschauen.

Falls nichts davon zutrifft, frage ich mich:

  • Was vermeide ich gerade?
  • Was will ich gerade nicht spüren?

Dann lasse ich mir viel Zeit, um nachzuspüren.

Wenn ich Unruhe spüre, Unsicherheit, vielleicht auch Angst, dann dient mein Aufschieben höchstwahrscheinlich dazu, etwas zu vermeiden: Ich will einer Situation ausweichen, in der ich nicht stecken will, vor der ich Angst habe.

Teufelskreis Aufschieberitis

Solche negativen Gefühle löse ich nicht durch Vermeiden und Aufschieben. Eher im Gegenteil. Aufschieben führt in einen regelrechten Teufelskreis: Ich habe Angst, nicht gut genug zu sein, oder Angst, mit meiner Aufgabe zu scheitern. Wenn ich dann aufschiebe, führt das zu Selbstvorwürfen und zu Druck (die Deadline rückt näher, und ich hab noch nichts vorbereitet – das macht Druck). Ich fühle mich schlecht, mache mir noch mehr Vorwürfe, das erhöht die Selbstzweifel und die Angst vor dem Scheitern …

Um da auszusteigen, nutze ich eine oder zwei Methoden, die mir helfen, mit Angst, Unsicherheit bzw. Zweifeln umzugehen.

Und wie komme ich wieder ins Tun?

Die beiden wichtigsten Schritte sind schon getan: Abstand herstellen und für Klarheit sorgen.

Solange ich – bildlich gesprochen – im Sumpf sitzen bleibe, kann ich nicht erkennen, was der wahre Grund für mein unproduktives Verhalten ist. Ich sitze ja noch mittendrin im Sumpf.

Mir hilft dann der Blick von außen: Entweder mein eigener Blick, wenn ich einige Schritte nach hinten getan habe und mit Abstand auf mich und mein Tun (bzw. Nicht-Tun) blicke. Oder ich hole mir Unterstützung von außen und erzähle jemand anderem, wo ich gerade hängen geblieben bin. Oft merke ich selbst bereits beim Erzählen, wo es hakt – und wenn nicht, helfen mir die Nachfragen oder Kommentare meines Gegenüber, klarer zu sehen.

Was mir überhaupt nicht hilft: Mich mit Social Media, News-Lesen oder Herumdaddeln abzulenken. Das macht mich nicht „satt“, da entsteht nur das schale Gefühl, meine Zeit verplempert zu haben. Das Problem löst sich so nicht auf.

Das bestätigen auch meine Klienten und die Teilnehmer*innen an meinem Aufschieberitis-Seminar.

Viel besser geht es mir, wenn ich mir ganz bewusst eine Auszeit nehme. Wenn ich – wie oben beschrieben – mit dem Problem spazieren gehe.

Oder wenn ich mich entscheide, mir etwas Gutes zu tun. Wenn ich zum Beispiel mitten im Arbeitstag eine halbe Stunde in einem Roman lese, Musik höre oder etwas anderes tue, was ich während der Arbeitszeit normalerweise nicht tue. Das macht mich satt, und dann kommt früher oder später auch die Lösung des Problems.

 

Zu den Bildern

Das Titelbild stammt von Miha Rekar (via Unsplash). Die anderen Fotos stammen von Genessa Panainte (via Unsplash) bzw. Depositphotos, das Diagramm von mir.

 

Ins Tun kommen

Wie du nach einer Unterbrechung wieder ins Tun kommst

Vielleicht kennst du das: Es läuft gut, du kommst gut voran, dann gibt es eine Unterbrechung oder Störung ― und schon ist der Schwung weg. Und je länger die Pause dauert ― Stunden, Tage, Wochen ―, desto schwieriger ist es, wieder in den Flow zu kommen.

Von deinem Umfeld kommt der gut gemeinte Rat: Hingefallen? Wieder aufstehen, Staub abklopfen (oder Krone richten), weitermachen.

Wenn das klappt: Wunderbar. Falls das nicht klappt, probiere die folgenden Tipps aus.

Tipp 1: dein Warum

Was ist der Grund, aus dem du dich für das Projekt entschieden hast, das darauf wartet, dass du weiter daran arbeitest?

Was versprichst du dir von dem Projekt?

Was wird anders sein, wenn es abgeschlossen ist?

Spricht irgendetwas dagegen, mit dem Projekt weiterzumachen?

Dann los. Weiterlesen

Ritual zum Jahresabschluss 2020

2020 geht zu Ende. Endlich, gottseidank – so werden viele denken. So schwierig und für manche schmerzhaft das Jahr auch war: Auch in dem beschissenen Jahr gab es das ein oder andere, das positiv war oder das du gut gemeistert hast.

Meine Einladung: Nimm Dir vor Silvester oder am Anfang des neuen Jahres eine Stunde Zeit, um Dir noch einmal vor Augen zu führen, was in diesem Jahr gut gelaufen ist.

Das Ritual zum Jahresabschluss

Mach es Dir auf dem Sofa oder in einem Sessel bequem, und sorge dafür, dass Du die nächste Stunde nicht gestört wirst.

Stell Dir vor, vor Dir ist eine Wäscheleine aufgespannt. Das linke Ende der Leine steht für den 1. Januar 2020, das rechte Ende für den 31. Dezember 2020.

Geh nun in Gedanken das Jahr Monat für Monat durch und such Dir die wichtigsten Ereignissen des Jahres heraus – die positiven ebenso wie negative. Hänge für jedes dieser Ereignisse mit einer imaginären Klammer ein Foto an die Leine.

Nimm Dir dafür Zeit. 20 bis 30 Minuten. Wenn Du länger brauchst, dann brauchst Du länger.

Geh dann wieder in Deiner Vorstellung mit einem leeren Gefäß – zum Beispiel einem imaginären Eimer – die Wäscheleine entlang. Und bleib bei jedem Bild stehen.

Bei den Bildern mit den angenehmen Ereignissen:

Hol Dir diese Ereignisse so lebendig wie möglich zurück.

Schau, was es da zu sehen gibt;
horch, was es zu hören gibt;
rieche, schmecke;
spüre, wie es Dir mit diesem Ereignis geht.

Lass Dir dafür so viel Zeit, wie Du brauchst. Bevor Du weitergehst: Überleg Dir, auf welche Weise Du das Positive dieses Ereignisses ins nächste Jahr mitnehmen kannst.

Vor den Bildern mit den weniger angenehmen Ereignissen

Bleibe hier immer nur kurz stehen. Erinnere Dich kurz an das Ereignis – wirklich nur kurz, es geht nicht darum, noch mal so richtig tief in ein belastendes Ereignis einzutauchen. Halte nun das Gefäß, das Du dabei hast, unter das Foto. Stell Dir vor, wie alle Farben aus dem Foto in das Gefäß laufen.

Wenn Du am Ende der Wäscheleine, also am Ende des Jahres 2020 angekommen bist, blick noch einmal zurück. Genieße noch einmal alles, was positiv war.

Dann öffne Du die Augen. Nimm das Gefäß (aus Deiner Vorstellung) mit den Farben aus den Fotos und schütte es mit Schwung aus. Und dann wirf das Gefäß weit weg.

Spüre nach, wie es Dir jetzt geht.

Und dann schreib Dir alle Dinge aus 2020 auf, für die Du jetzt dankbar bist. Mach das schriftlich – Du wirst sehen: So hast Du mehr davon.

Das Foto stammt von Ashwini Chaudhary (via Unsplash)

Bist du in deinem Körper zu Hause?

Was für ein Verhältnis hast du zu deinem Körper? Fühlst du dich wohl in deinem Körper? Rundum wohl oder zumindest in Teilen deines Körpers? Kümmerst du dich liebevoll um ihn? Oder nutzt du ihn im Grunde nur als Träger deines Kopfes? Vielleicht ist dein Körper auch „nur“ ein Panzer, mit dem du dich schützt.

Mit dieser Übung kannst du erforschen, wie du deinen Körper wahrnimmst, und dann (wieder) stärker in Kontakt mit ihm treten. Auch wenn du vielleicht – noch – ein eher zwiespältiges Verhältnis zu deinem Körper hast, kann das eine sehr aufschlussreiche und bereichernde Übung sein.

Körperbild zeichnen

Falls du einen großen Bogen Packpapier oder etwas Vergleichbares hast (mindestens 1,5 Meter breit und 2 Meter hoch), leg das Papier auf dem Boden aus. Leg dich rücklings auf das Papier und bitte eine zweite Person, mit einem dicken Filzstift deine Konturen zu umfahren. So hast du ein lebensgroßes Körperbild von dir.

Falls du kein Packpapier zur Hand hast, kannst du dir auch mit ein paar DIN-A4-Blättern behelfen. Zeichne auf ein Blatt einen groben Umriss deines Körpers. Der Umriss muss nicht maßstabgerecht und detailgetreu sein. Nutz aber ruhig die gesamte Höhe des Blattes.

In Kontakt mit deinem Körper treten

Häng das Körperbild an die Wand oder leg es auf den Boden.

Schau dir das Bild genau an.

Dann spür in dich hinein. Nimm dir Zeit für jedes Körperteil – dabei kann es helfen, eine Hand jeweils auf den Körperteil zu legen, um damit Kontakt aufzunehmen.

Wie geht es dir mit diesem Körperteil? Welche Gefühle sind damit verbunden? Positive? Negative? Ein neutrales Empfinden? Etwas ganz anderes?

Wie wohl fühlst du dich mit diesem Körperteil? Hast du da vielleicht Schmerzen? Fühlt es sich taub an? Oder vielleicht auch fremd, so als ob „das da“ überhaupt nicht zu dir gehören würde?

Welche Gedanken kommen dir zu diesem Körperteil?

Empfindungen und Gedanken notieren

Schreib diese Gefühle, Empfindungen und Gedanken auf: Wenn du ein körpergroßes Bild hast, schreib direkt in das Bild, dort, wo sich das jeweilige Körperteil befindet.

Wenn Du kleinere Blätter nutzt, leg um das Bild mehrere DIN-A4-Blätter herum und schreibe darauf – verbinde dann die Textblöcke über Linien oder Pfeile mit dem zugehörigen Körperteil.

Ergänze die Notizen im Lauf der nächsten Tage.

Wenn du Lust (und noch Platz auf dem Papier) hast, kannst du Körperteile auch miteinander kommunizieren lassen. Schreib auch das auf.

Mit Abstand betrachtet

Nach ein paar Tagen, wenn es nichts mehr hinzuzufügen gibt, tritt zwei, drei Schritte zurück und betrachte das Körperbild noch einmal.

Einige Stellen sind wahrscheinlich vollgeschrieben, während an anderen wenig oder gar nichts steht.

Schreib nun auf einem weiteren Blatt Papier auf, was dir beim Betrachten des Bildes auffällt. Was empfindest du, welche Gedanken gehen dir durch den Kopf?

Lies die Notizen ein, zwei Tage später noch einmal durch. Was empfindest du jetzt, welche Gedanken kommen jetzt?

Vielleicht hat sich etwas in deiner Sicht auf dich und deinen Körper verändert …

Und vielleicht hast du Lust, dich in den nächsten Tagen mit einigen Stellen deines Körpers näher zu beschäftigen, die bisher nicht so sehr im Fokus lagen.

Ich wünsch dir Freude beim Entdecken.

 

 

Die beiden Bilder sind von Depositphotos lizensiert.

Impuls: die beste Zeit deines Lebens

Was war die beste Zeit deines bisherigen Lebens?

Bevor du loslegst

Lies diesen Beitrag nicht einfach nur und leg ihn dann beiseite. Meine Empfehlung: Mach dir schriftlich Notizen, wenn du die folgenden Fragen beantwortest. Das Aufschreiben hilft dir dabei, konkret und klar zu werden. Außerdem hast du dann schwarz auf weiß, was es an Nährendem in deinem Leben gibt.

Die beste Zeit

Was war die beste Zeit deines bisherigen Lebens?

Falls du jetzt gerade keine Zeit dafür hast: Block dir eine halbe Stunde im Kalender und beschäftige dich dann mit diesen Fragen.

Was war daran so gut? Was waren die Umstände, welche Lebenseinstellung hattest du damals?

Was müsste passieren, damit du (wieder) das Gefühl hast, dass jetzt die beste Zeit deines Lebens ist?

Produktives Prokrastinieren: Aufschieben mit gutem Gewissen

Wenn wir Aufgaben aufschieben, plagt uns oft ein schlechtes Gewissen. Der emeritierte Philosophie-Professor John Perry hat für sich einen Weg entdeckt, wie er aufschieben und trotzdem produktiv sein kann: Seine Strategie nennt er „structured procrastination“, also „strukturierte Prokrastination“, darüber hat er 1996 einen humorvollen Aufsatz geschrieben, aus dem später ein Buch wurde.

Nach Perrys Beobachtung tun Aufschieber selten gar nichts. Wenn sie eine wichtige Aufgabe aufschieben, tun sie mehr oder weniger – meist weniger – produktive Dinge. Perry sprach 1996 noch von Gartenarbeiten und Bleistiftspitzen; die Aufmerksamkeitsgräber Social Media und Youtube kannte er da noch nicht.

Aus eigener Erfahrung wusste er, dass Aufschieber aber durchaus motiviert werden können, komplizierte und auch wichtige Aufgaben rechtzeitig zu erledigen, wenn ihnen das die Möglichkeit gibt, etwas, was noch wichtiger ist, zu vermeiden.

Seine These: Wir schieben wirklich, wirklich wichtige Aufgabe auf. Und statt die Zeit zu verplempern, können wir sie in weniger wichtige Tätigkeiten stecken.

Strukturiertes Prokrastinieren: das perfekte Beispiel

Perry beschreibt in seinem Aufsatz, wie er am Campus an der Stanford University lebte. Statt abends Vorlesungen vorzubereiten oder Hausarbeiten zu korrigieren, spielte er mit den Studenten Ping-Pong und unterhielt sich mit ihnen. Schnell hatte er den Ruf, ein toller Prof zu sein, der sich Zeit für seine Studenten nimmt. Während er einfach nur Arbeiten aus dem Weg ging, die er nicht anpacken wollte.

Diese Aufgaben mussten natürlich trotzdem irgendwann erledigt werden. Um sie angehen zu können, musste er neue Aufgaben annehmen, die noch höhere Wichtigkeit haben.

Sprich: Du brauchst immer etwas, was noch wichtiger ist als das, was erledigt werden muss. Sagt Perry.

Wieso wir aufschieben

Die aus meiner Sicht nicht ganz unwichtige Frage – Wieso schieben wir eigentlich auf? – beantwortet Perry weder in seinem Aufsatz noch in seinem Buch. Er spricht nur davon, dass wir das jeweils Wichtigste aufschieben.

Aber wieso es möglich sein sollte, Aufgabe A, die bisher auf der Prioritätenliste ganz oben stand und die man bisher aufgeschoben hatte, ganz einfach zu erledigen, sobald etwas anderes höchste Priorität bekommt, erklärt er nicht (mehr zu den typischen Gründen fürs Aufschieben findest du hier).

Wie kann mir Perrys Strategie helfen?

Was mir an Perrys Strategie gefällt: Wenn du schon aufschieben „musst“, dann tu es wenigstens mit etwas, was kein schlechtes Gewissen verursacht. Also nicht mit Facebook, World of Warcraft, Youtube, WhatsApp oder …

Sondern mit einer Aufgabe, die dir, sobald du sie erledigt hast, das satte Gefühl gibt, etwas geleistet zu haben.

Das ist gut für die Karriere bzw. sorgt für zufriedene Kunden, wenn du selbstständig arbeitest. Es ist gut für das Selbstwertgefühl („ich hab was geschafft, ich kann was“). Und es hilft definitiv gegen die Negativspirale, die Aufschieber kennen: Selbstzweifel -> Aufschieben -> Selbstvorwürfe -> der Druck steigt -> das Selbstwertgefühl sinkt -> …

Einfach liegen lassen

John Perry hat über „structured procrastination“ einen Aufsatz und ein dünnes Büchlein geschrieben: „The Art of Procrastination“. Die deutsche Fassung ist unter dem Titel „Einfach liegen lassen. Das kleine Buch vom effektiven Arbeiten durch gezieltes Nichtstun“ erschienen. Die deutsche Fassung gibt es als gebundene Ausgabe bei Riemann (12,99 Euro) und als Taschenbuch bei Goldmann (7,99 Euro).

 

 

 

 

Das Titelfoto stammt von Nathan Dumlao (via Unsplash.com).

 

Fehler machen

Warum es ein Fehler ist, keine Fehler machen zu wollen

Fehler gelten als Zeichen von Schwäche – jemand, der Fehler macht, ist nicht gut in dem, was er tut. Denn man darf keine Fehler machen. Und genau diese Einstellung ist einer der größten Fehler, den wir machen können.

Wir Menschen lernen durch Ausprobieren: Wir probieren etwas und schauen, ob es zum Erfolg führt oder nicht. Wenn es funktioniert, machen wir es wieder. Wenn etwas nicht funktioniert, probieren wir etwas anderes (jedenfalls, wenn wir ein anderes Ergebnis bekommen wollen). Also: Trial and Error, Versuch und Irrtum.

Warum sich Kinder so rasend schnell entwickeln

Stell dir vor, du hättest schon als Krabbelkind versucht, auf keinen Fall Fehler zu machen. Wie hättest du dann das Gehen gelernt oder das Sprechen? Kinder probieren und probieren und geben nicht auf. Kein Kind zählt, wie oft es hingefallen ist. Deshalb verläuft die Entwicklung bei Kleinkindern auch so rasend schnell: Sie machen einen Fehler nach dem anderen, lernen daraus und entwickeln sich weiter. In dem Alter machen sie sich noch keine Gedanken darüber, wie doof es aussieht, wenn sie auf den Hintern plumpsen, oder was andere über sie denken. Weiterlesen

Die Kunst, in diesen unsicheren Zeiten nicht den Verstand zu verlieren

Es sind gerade schwierige Zeiten: die Pandemie, die Gefahr einer schweren Erkrankung, die Reaktionen der Politik und die wirtschaftlichen Folgen. All das löst bei vielen Unsicherheit und Ängste aus und führt zu (unfreiwilligem) Rückzug.

Diese 5 Tipps helfen dir, gut durch die unsicheren Zeiten zu kommen und sie aktiv zu gestalten.

1. Ängste und Zweifel sind ganz natürlich

Wir leben in unsicheren Zeiten. Keiner weiß wirklich, wie sich die Pandemie entwickeln wird, wie es wirtschaftlich weitergehen wird, ob wir es noch schaffen werden, den Klimawandel so weit abzumildern, dass die Erde ein lebenswerter Planet für unsere Kinder und Kindeskinder bleibt. Die Wissenschaft führt uns gerade vor Augen, dass sie zu brandneuen Themen nur langsam sichere Erkenntnisse liefern kann, dass das, was gestern noch galt, heute schon wieder überholt sein kann (Was ich nicht als als Kritik an Wissenschaft an sich missverstanden wissen möchte – in ganz vielen Bereichen liefert uns die Wissenschaft zuverlässige Informationen). Weiterlesen