Meine Reise nach Utopia

Mein neues Buch lädt dazu ein, Schritt für Schritt in ein bewusstes und nachhaltiges Leben zu starten. Es ist ein Mitmachbuch, das die Leser*innen durch ein ganzes Jahr begleitet.

Für jede Woche des Jahres gibt es zwei Doppelseiten:

  • Eine Doppelseite mit Anregungen für umweltbewusstes Verhalten; hinzu kommt einmal im Monat ein Impuls zur persönlichen Entwicklung.
  • Plus eine Doppelseite mit viel Platz zum Reinschreiben oder Zeichnen, auf der man Reflexionen zu einem Thema, Erfahrungen und Notizen festhalten kann.

Entstanden ist das beim oekom Verlag erschienene Journal in Zusammenarbeit mit Utopia.de, der größten Nachhaltigkeitsplattform Deutschlands.

Praktische Tipps für ein nachhaltiges Leben

Die Praxistipps sind thematisch gegliedert (hier nur einige Beispiele):

  • Minimalismus: wie du dich von altem Ballast befreist; tauschen statt kaufen; Dinge gemeinsam nutzen (Sharing); reparieren statt wegwerfen
  • Ernährung: regionales statt weit gereistes Superfood; weniger tierische Produkte; selbst Gemüse, Kräuter, Obst anbauen; Wildkräuter sammeln; Lebensmittel konservieren
  • Müllvermeidung: Verpackungen vermeiden; kein Mikroplastik
  • Konsum: Körperpflege – gesund und umweltfreundlich; ökologisch putzen und waschen
  • Mobilität und Reisen: mobil ohne Auto; sanfter Urlaub; Miniabenteuer im Alltag
  • achtsamer Umgang mit dir selbst: bewusster leben im Alltag; digital detox; gesunder Schlaf
  • Gesundheit und Hausmittel: Abwehrkräfte stärken; Hausmittel bei Erkältungen
  • CO2 einsparen: Strom sparen, richtig heizen
  • sich engagieren, aktiv werden

Impulse für persönliches Wachstum

Als roter Faden zieht sich ein Programm für „inneres Wachstum“ durch das Buch. Dazu gibt es im Monatsrhythmus aufeinander aufbauende Impulse zu Themen wie:

  • loslassen, was mir nicht guttut
  • erkennen, wie ich mich und meine Handlungsmöglichkeiten einschränke
  • einschränkende Überzeugungen sein lassen und neue, stärkende Überzeugungen entwickeln
  • meine Wünsche und Bedürfnisse ernst nehmen
  • neue Gewohnheiten (Habits) entwickeln, die mich dabei unterstützen, im Alltag meinen Werten entsprechend zu handeln.

Ziel ist es letztlich, zu mehr Selbstakzeptanz zu kommen und stärker in Einklang mit den eigenen Bedürfnissen und Werten zu leben.

Zum Buch

Meine Reise nach Utopia: Schritt für Schritt in ein nachhaltiges Leben: Das Journal fürs ganze Jahr

Von Franz Grieser und Utopia.de
224 Seiten, Hardcover
24 Euro
ISBN-10: 3962381260
ISBN-13: 978-3962381264

Erwerben kannst du das Buch überall, wo es Bücher gibt. Am liebsten ist es mir, wenn du es in der Buchhandlung deines Vertrauens kaufst oder online über den Shop der Autorenwelt (Affiliate-Link).

Auf der Website des oekom Verlags findest du eine ausführliche Leseprobe.

Die Besonderheiten von Gestalt-Aufstellungen

„Worin unterscheiden sich Gestalt-Aufstellungen von Familien- oder anderen Aufstellungen?“ Wenn ich eine Frequently-Asked-Questions-Seite einrichten würde, wäre diese Frage ganz oben auf der Liste.

Ich versuche, die Frage erst in einer kurzen und danach in einer ausführlicheren Fassung zu beantworten.

Wichtig dabei: Ich beschreibe meine persönliche Art, Aufstellungen zu leiten. Andere Gestalt-Aufsteller gehen in Nuancen anders vor. Grundsätzlich lassen wir uns aber von unserer Grundhaltung als Gestalttherapeut*innen leiten.

Zu Gestalt-Aufstellungen

Eine Gestalt-Aufstellung ist eine besondere Form der Aufstellung, die von Karin Guhn-Weiß entwickelt wurde (1) und inzwischen von einigen Gestalttherapeut*innen auf der Grundlage des Gestalt-Verständnisses durchgeführt wird. Und genau das führt zu den Unterschieden zu klassischen Familien- und zu systemischen Aufstellungen.

Wie andere Aufstellungsarten eignen sich auch Gestalt-Aufstellungen dazu,

  • eine Familiensituation oder -konstellation
  • Systeme jeder Art
  • innere Anteile (ausgewählte Anteile oder das innere Team)
  • körperliche Symptome (Krankheiten, Schmerzen)

mithilfe von Stellvertreter*innen in den Raum zu stellen und die einzelnen Elemente miteinander agieren zu lassen.

Mehr zur Vorgehensweise bei Gestalt-Aufstellungen habe ich am Ende der entsprechenden Seite beschrieben.

(1) Karin Guhn-Weiß steht aus meiner Sicht der Schule von Bert Hellinger mit ihrem Gestalt-Verständnis deutlich ferner als beispielsweise der Gestalttherapeut Victor Chu mit seinem „Familienstellen in der Gestalttherapie“.

Die wesentlichen Unterschiede – die Kurzfassung

Was sind nun die wesentlichen Unterschiede?

  • Meine Grundhaltung als Gestalttherapeut lautet: „Was ist, darf sein. Was sein darf, verändert sich“ (Werner Bock). Auf die Aufstellung bezogen heißt das: Ich habe keine vorgefassten Konzepte und Wertvorstellungen, die ich meinen Klient*innen überstülpe – vor allem keine dogmatischen Vorstellungen dazu, wie die Ordnung in einer Familie zu sein hat. Ich gehe mit dem, was ist, ich mache Vorschläge und ziehe sie wieder zurück, wenn sie für die Klient*innen oder Stellvertreter*innen nicht passen. Bei mir muss sich kein Klient vor den Vater oder die Mutter hinknien oder Sätze sagen, die ihm widerstreben.
  • Mein Fokus liegt auf den Klient*innen: Ich arbeite primär mit der Klienten/dem Klienten, weniger mit dem Feld.
  • Für mich ist die Klientin/der Klient Teil des erweiterten Feldes. Ich nehme während der Aufstellung Impulse von ihr bzw. ihm auf und gebe sie ins Feld der Stellvertreter*innen weiter, wenn mir das sinnvoll erscheint.
  • Die Klientin/der Klient kommt nicht erst am Ende der Aufstellung ins System, sondern deutlich früher.

Und hier die ausführlichere Fassung:

Die (gestalt-)therapeutische Grundhaltung

Meine Grundhaltung als Gestalttherapeut lautet: Was ist, darf sein. Was sein darf, verändert sich.

Damit es zu nachhaltiger persönlicher Veränderung kommt, sind nach meiner Erfahrung zwei Dinge notwendig:

  1. die Bewusstheit darüber, was ist
  2. und die Akzeptanz, dass sein darf, was ist

Gemeint ist damit nicht nur die Akzeptanz einzelner Aktionen oder Eigenschaften, sondern letztlich die Selbstakzeptanz. Dieses „Paradox der Veränderung“ genannte Prinzip kennt man nicht nur in der Gestalttherapie. Der Psychotherapeut Carl Rogers hat schon 1961 geschrieben: „Wenn ich mich so akzeptiere, wie ich bin, dann verändere ich mich“.

Was bedeutet „Was ist, darf sein“ für Gestalt-Aufstellungen?

Der erste wesentliche Schritt in der Aufstellung ist, etwas sichtbar und erfahrbar zu machen, etwa die Dynamik in einer Familie. Also: Bewusstheit herstellen über das „was ist“. Das kann in vielen Fällen als Ergebnis einer Aufstellung schon ausreichen, weil diese Bewusstheit zu einer inneren Akzeptanz des Gewesenen und des Gegenwärtigen führen kann. Oder weil nun klar ist, womit die Klientin/der Klient sich in späteren gestalttherapeutischen Sitzungen beschäftigen will.

In der Gestalt-Aufstellung kann nach dem Sichtbarmachen an der Akzeptanz dessen gearbeitet werden, was war bzw. was ist.

Die Grundhaltung von Hellinger und Co.

Die Grundhaltung „Was ist, darf sein.“ zieht sich durch die gesamte Arbeit von Gestalttherapeut*innen. Und hier liegt ein zentraler Unterschied insbesondere zu Familienaufsteller*innen, die von Bert Hellinger geprägt oder beeinflusst sind. Bei klassischen Familienaufsteller*innen erlebe ich immer wieder, dass sie mit festen Vorstellungen über die „Ordnung“ in Familien arbeiten. Bei Hellinger war das eine hierarchische Rangordnung von Höher- und Niedrigerstehenden, bestimmt durch Geschlecht und den Zeitpunkt, wann man Mitglied einer Familie wurde. Verletzungen dieser Rangordnungen haben Hellinger zufolge gravierende Folgen (etwa Krankheiten, Neigung zu Selbstmord oder selbstgefährdendem Handeln). 

Ziel einer Familienaufstellung nach Hellinger ist es, die Ordnung im Familiensystem wiederherzustellen. Und dazu griffen Hellinger und seine Schüler*innen in den Anfangsjahren zu teilweise drastischen Mitteln und Urteilen über die Klient*innen. Oft mussten sich Klient*innen vor die Stellvertreter*innen der Eltern hinknien und sich bei ihnen entschuldigen, auch wenn sie kein Unrecht getan hatten. Oder sie sahen sich zu einer Versöhnung gedrängt (nicht wenige sprachen von „gezwungen“). Es sind etliche Fälle bekannt, in denen das in der Aufstellung Erlebte zu einer (Re-)Traumatisierung der Klient*innen führte.

Die allermeisten Aufstellungsleiter*innen arbeiten heute nicht mehr so rigide und direktiv. Dennoch lassen sie sich sehr häufig von klaren Vorstellungen einer natürlichen hierarchischen Ordnung leiten und geben in Aufstellungen immer wieder Handlungen oder Sätze vor und drängen Stellvertreter*innen, entsprechend zu handeln. Sie meinen zu wissen, was für die Klient*innen das Richtige ist.

Mir ist bewusst, dass die Bandbreite da groß ist, mir geht es auch nicht um Kritik an anderen Aufstellungsleiter*innen. Sondern darum, deutlich zu machen, wie sich meine Art der Aufstellungsleitung davon unterscheidet.

Meine Grundhaltung

Ich weiß nicht, was für die Klient*innen (oder Personen im System) richtig oder falsch ist. Ich habe kein sicheres Wissen, sondern Vermutungen und Impulse. Wenn während einer Aufstellung ein solcher Impuls auftaucht, stark ist und mir nicht völlig unpassend erscheint, teste ich ihn: Ich mache einen Vorschlag an eine der stellvertretenden Personen und bitte sie, beispielsweise einen Satz oder eine Aktion auszuprobieren und zu schauen, ob das stimmig ist. Nicht selten formulieren sie den Satz so um, dass er für sie passt. Wenn mein Vorschlag abgelehnt wird oder für die stellvertretende Person nicht stimmig ist, ziehe ich ihn sofort zurück.

In der Aufstellung verfolge ich kein festes Ziel. Ich gehe mit dem, was auftaucht. Allerdings gleiche ich das Geschehen immer wieder mit dem Anliegen ab, das die Klientin/der Klient zu Beginn formuliert hat. Falls Impulse aus dem System kommen, überprüfe ich für mich, ob sie vom Anliegen wegführen – dann folge ich ihnen eher nicht (außer es ist klar, dass dieser Umweg nötig ist, um zum Anliegen zu kommen).

Natürlich gibt es immer wieder Situationen, in denen ich denke, dass es in eine bestimmte Richtung gehen könnte. Dass mir eine bestimmte Richtung als stimmig erscheint. Aber ich forciere das nicht, ich gebe einen kleinen Anstoß in die Richtung und schaue dann, was sich entwickelt. Wenn sich das Geschehen in eine andere Richtung entwickelt: Fein, dann bin ich neugierig, wo es hinläuft.

Mein gesamtes Handeln in der Aufstellung steht unter der Prämisse: Was ist, darf sein.

Anmerkung: Manche Gestalttherapeut*innen, die mit Aufstellungen arbeiten, gehen auch von bestimmten Ordnungen oder Gesetzmäßigkeiten aus, die aber – anders als bei Hellinger – keine Rangordnungen sind. Und vor allem gehen sie nicht davon aus, dass diese Ordnung unbedingt wiederhergestellt werden muss (notfalls mit Druck oder Zwang).

Der Fokus liegt auf der Person, die aufstellt

Bei Gestalt-Aufstellungen steht die Klientin, der Klient im Fokus, als Leiter der Aufstellung arbeite ich primär mit ihm oder ihr. In anderen Aufstellungsarten wird primär mit dem Feld gearbeitet.

Zwar sagen auch Aufsteller*innen anderer Schulen, dass sie während der Aufstellung „immer ein Auge“ auf die Klientin/den Klienten haben. Nach meiner Beobachtung passiert es jedoch öfter, dass die Klientin/der Klient rasch aus dem Blick gerät, wenn sich im Feld etwas tut.

Für mich ist die Person, die ihr Anliegen aufstellt, Teil des erweiterten Feldes. Als Leiter habe ich die Person immer in der Wahrnehmung. Was die Person „draußen“ tut, beeinflusst mit, wie ich als Leiter im Feld agiere.

Das Feld dient bei Gestalt-Aufstellungen dazu, zuerst einmal Konstellationen und Dynamiken im aufgestellten System sichtbar zu machen. Sobald die Aufstellung steht und ich die Stellvertreter*innen befragt habe, gehe ich zur Klientin/zum Klienten und frage, was das bei ihr/ihm auslöst. Das geschieht wie in einer gestalttherapeutischen Sitzung, also im Kontakt mit dem Gegenüber, mein Fokus liegt auf den Emotionen, die das Gesehene und Gehörte auslöst.

Während der Aufstellung interagiere ich als Leiter immer wieder mit der aufstellenden Person – wenn sich im Feld etwas getan hat oder auch wenn ich sehe, dass sie gerade vom Geschehen besonders berührt ist.

Impulse durch die aufstellende Person

Nicht selten kommen von der aufstellenden Person Impulse, während sie noch draußen sitzt. Das kann etwas sein, was dieser Person ein- oder auffällt. Das können auch zusätzliche Informationen sein, die sie mir als Leiter gegenüber äußert. Wenn es (zum Anliegen) passend erscheint, gebe ich den Impuls ins Feld, um zu sehen, ob und wie er sich auswirkt.

Wann und wie die Klientin/der Klient in das Feld kommt

Die Klientin/den Klienten lade ich meist spätestens im letzten Drittel einer Aufstellung ein, ins Feld zu kommen. Dabei orientiere ich mich an der Person, die sie bzw. ihn in der Aufstellung vertritt: Hat er oder sie in der Aufstellung einen aus meiner Sicht entscheidenden Schritt getan, bitte ich die Klientin/den Klienten, sich hinter die stellvertretende Person zu stellen; später tauschen sie auch die Plätze.

So hat die aufstellende Person die Möglichkeit, nicht nur durch Zusehen, sondern körperlich und emotional wahrzunehmen, welche Veränderungen sich ergeben haben. Falls die Stellvertretung emotional schon weiter ist als der/die Aufstellende, kann sie ihr „Wissen“ symbolisch an sie/ihn übergeben. Auch wenn die Klientin/der Klient im System ist, bleibt die stellvertretende Person dabei. Je nach Konstellation ist sie mal Ressource oder Unterstützung, mal zusätzliche Informationsquelle.

Wenn die Klientin/der Klient relativ früh in das Feld eintritt, kann das den Prozess intensivieren. Insbesondere wenn sie/er in Kontakt mit Stellvertreter*innen ihrer Eltern tritt.

Darüber hinaus kann sie/er so – zusammen mit der stellvertretenden Person – die nächsten Schritte in der Aufstellung selbst gehen und die Auswirkungen am eigenen Leib erfahren.

Fazit

Die beiden grundlegende Unterschiede, aus denen sich alle weiteren Unterschiede ergeben, sind also

  • meine akzeptierende Grundhaltung
  • und mein Fokus auf die Klientin/den Klienten, die/der für mich zum erweiterten Feld zählt

 

Das Fotos stammen von den Pixabay-Nutzern tiburi, pgbsimon, Skitterphoto und Adina Voicu.

Wenn Deine Fantasie Dich einschränkt

Wir leben auf zwei Ebenen: auf der Realitätsebene und auf der Fantasieebene. Auf der Realitätsebene sind wir in Kontakt mit unseren Gefühlen und dem, was wir im Inneren und im Außen wahrnehmen. Was wir sehen, hören, spüren, riechen, schmecken und was wir fühlen.

Auf der Fantasieebene interpretieren wir das, was wir wahrnehmen – und unterscheiden oft nicht zwischen der Wahrnehmung und der Fantasie. Da sehen wir jemand, der die Arme vor der Brust verschränkt – und „denken“ sofort, er würde uns ablehnen. Ohne diesen Gedanken zu hinterfragen und ohne unser Gegenüber zu fragen. Dann würden wir vielleicht erfahren, dass es unserem Gegenüber so geht wie einer Frau, die vor einiger Zeit an einem meiner Seminare teilgenommen hatte: Sie saß oft mit verschränkten Armen da, weil ihr so der Rücken weniger weg tat. Oder wir warten tagelang am Telefon und glauben, er oder sie würde sich nicht für uns interessieren – sonst hätte er oder sie doch schon längst angerufen. Und sie bzw. er tut das Gleiche und wartet ebenfalls.

Auf der Fantasieebene

Leider ist es so, dass viele von uns viel Zeit im Fantasiemodus unterwegs sind. Wir nehmen etwas wahr – und sofort geht das Kopfkarussell los, und wir geben uns unseren Fantasien hin. Statt mit dem Gegenüber in Kontakt zu treten und nachzufragen. Und statt auszusprechen, wie es uns geht, und zu schauen, wie die Reaktion ist.

Oft liegt das daran, dass wir Angst haben vor Ablehnung oder Zurückweisung oder davor, ausgelacht zu werden.

Angst vor Ablehnung

Ablehnung tut besonders weh bei Menschen, an denen uns etwas liegt. Und bei Menschen, zu denen wir in einer irgendwie gearteten Beziehung stehen, kann Ablehnung – ob nun eine tatsächliche oder fantasierte Ablehnung – richtiggehend bedrohlich werden. Wie es wäre, von den eigenen Eltern abgelehnt zu werden, vom Partner oder der Partnerin, von den Kindern, den Freunden, dem Chef, den Kollegen?

Diese Angst führt bei manchen auch dazu, dass sie erstarren und an einem Verhalten festhalten, das längst nicht mehr das gewünschte Ergebnis bringt. Die Angst, wenn sie ihr Verhalten änderten, würden sich die Menschen um sie herum abwenden und sie ablehnen.

Ein zurückhaltender, eher passiver Mann beispielsweise tut sich wahrscheinlich deshalb schwer damit, selbstbewusster aufzutreten, seine Meinung zu sagen oder gar Wut zu zeigen, weil er sich vor Ablehnung oder Sanktionen fürchtet. Eine junge Frau hält sich vielleicht zurück und geht nicht auf jemand zu, der sie interessiert, aus Angst, unweiblich zu erscheinen und als Frau abgelehnt zu werden.

Experimentierfeld

Die Ebene der Fantasie – genauer, der Angstfantasien – zu verlassen, fällt uns leichter, wenn wir positive Erfahrungen machen. Wenn wir ausprobieren können, wie es ist, Nein zu sagen, zu unserer Meinung zu stehen, unsere Bedürfnisse auszudrücken – ohne dass wir fürchten müssen, bei den Menschen auf Ablehnung zu stoßen, die uns wichtig sind. So lernen wir, mit unserer Angst vor Ablehnung umzugehen – und machen nicht selten die Erfahrung, dass neues Verhalten bei anderen sogar positiv ankommt. Etwa wenn der zurückhaltende Mann von vorhin zu seiner Meinung steht und so sichtbar und greifbar wird für sein Gegenüber.

Dieses Ausprobieren fällt leichter in einem sicheren Rahmen. Einen solchen Rahmen stellt eine geleitete Gruppe dar, in der erfahrene Coaches/Therapeuten einen geschützten Raum für Selbsterfahrung und für Kontakt öffnen. Einen Raum, in dem die Teilnehmer Neues wagen können und wertvolles Feedback erhalten.

Eine solche Gruppe begleite ich zusammen mit Madeleine Streiber in München.

Das Foto stammt von Pixabay-Nutzer Willi Heidelbach.

Wachsen in einer Gruppe

Was ist eine Gestaltgruppe?

Die Gestaltgruppe ist eine Selbsterfahrungsgruppe. Ziel ist, Dich selbst besser kennenzulernen, genauer zu erforschen, was Deine Bedürfnisse und Deine Werte sind, und welche Mechanismen Dich bisher daran hindern, Deine Lebendigkeit voll und ganz zu leben.

Die Gruppe bietet Dir dafür den Rahmen, trägt und unterstützt Dich durch achtungsvolle Rückmeldungen, und bietet Dir die Möglichkeit, das, was Dich in Deinem Wesenskern ausmacht, in Kontakt zu bringen.

Die Gruppe eignet sich für alle,

  • die ihre (vermeintlichen) Grenzen überwinden und Neues wagen wollen,
  • die an den Themen arbeiten wollen, die sie bewegen,
  • die den Austausch in einer Gruppe als wertvolle Ressource für sich entdeckt haben oder entdecken wollen,
  • die neugierig sind und ausprobieren wollen wie es ist, durch die regelmäßige Teilnahme an einer Gruppe Unterstützung zu bekommen.

Organisatorisches

Die Gruppe trifft sich alle zwei Wochen, jeweils montags von 19 bis ca. 21:30 Uhr. Der erste Termin, an dem Du teilnehmen kannst, ist Montag, 14. Januar 2019; danach geht es im 2-Wochen-Rhythmus weiter.

Wie läuft ein Gruppenabend ab?

  1. Körpererfahrung: Der Abend beginnt mit einer Körpererfahrung (Tanz, Bewegung, Atmen, Fantasiereise, Achtsamkeitsübung usw.).
  2. Austausch: Dann tauschen wir uns aus: Wie bist Du da? Was beschäftigt Dich im Moment? Was bewegt Dich?
  3. Einzelarbeit: Anschließend besteht die Möglichkeit, dass Einzelne mit einem der Leiter individuell an ihrem Thema „arbeiten“.
  4. Feedback: Die Gruppe ist dabei und unterstützt durch Rückmeldungen. Meist profitieren dabei alle Gruppenmitglieder, weil das angesprochene Thema innere Prozesse in Bewegung bringt.
  5. Abschlussrunde

Weitere Infos zur Gestaltgruppe.

Was ist denn mein Ruf?

„Wie weiß ich denn, was mein Ruf ist? Wie finde ich das heraus?“ Fragen dieser Art bekomme ich in letzter Zeit öfter zu hören, seitdem ich verstärkt von der Heldenreise erzähle.

Was Dein Ruf ist, kannst Du ganz leicht entdecken: Hör hin. Hör genau hin. Dein Ruf ist schon da, Du musst ihn nicht erst suchen.

Ich gehe davon aus, dass jeder von uns einen Ruf hat, einen Grund, auf der Welt zu sein. Und ich gehe davon aus, dass jeder seinen Ruf im Innersten auch kennt.

Nur ist es häufig so, dass etwas in uns den Ruf nicht hören will, also bewusst oder unbewusst weghört.

Den Ruf nicht hören wollen – was heißt das?

Wir haben häufig Angst vor den Konsequenzen. Wenn wir den Ruf ernst nehmen, müssten wir etwas ändern in unserem Leben. Das ist verständlicherweise mit Unsicherheit verbunden: „Ich weiß nicht, was passiert, wenn ich …“

Und wir riskieren Konflikte mit unserer Umwelt. „Wenn ich das mache, kriege ich Ärger mit meiner Familie. Das kann ich bei meinen Freunden nicht bringen, dann gehöre ich nicht mehr dazu. Ich kann doch nicht so egoistisch sein.“

Wenn wir etwas ändern in unserem Leben, verlassen wir die Komfortzone. Und das ist unbequem. Wir haben’s uns doch gerade so gut eingerichtet in unserem Leben. „Der Job passt, die Kinder entwickeln sich gut, die Nachbarn sind nett, …“

Und so mancher Ruf macht uns auch Angst – nicht vor den Konsequenzen, sondern vor unserer eigenen Courage. „Ist das nicht viel zu groß gedacht? Was werden die anderen denken? Werden sie denken, dass ich mich übernehme, dass ich überheblich bin, dass ich das nie im Leben schaffe?“

Die Frage ist: Bist Du bereit, die Konsequenzen zu tragen?

Es hat Konsequenzen, wenn Du Deinem Ruf folgst.
Und es hat Konsequenzen, wenn Du ihm nicht folgst.

Schon die Bremer Stadtmusikanten wussten: Wir haben nichts zu verlieren außer unserer Angst.

 

Das Foto stammt von Golda Falk, via Pixabay.
Autor: Franz Grieser

Mit Rückenwind ins neue Jahr

2016 soll es anders werden als in den Jahren davor? Bei vielen ist es ja so, dass schon im Februar alle guten Vorsätze fürs neue Jahr vergessen sind. Viele entschuldigen sich damit, dass sie nicht genügend Willenskraft oder Durchhaltevermögen haben oder dass äußere Umstände es nicht zugelassen haben.

Meiner Erfahrung nach liegt es in den allerseltensten Fällen an zu wenig Willenskraft oder zu geringem Durchhaltewillen. In den meisten Fällen sind es innere Widerstände, die uns die guten Vorsätze schnell vergessen lassen. Und es ist der Versuch, unsere Ziele mit großer Anstrengung zu erreichen, der so oft zum Scheitern führt – denn Anstrengung kostet Energie und Aufmerksamkeit, und beides steht uns nur in begrenztem Umfang zur Verfügung.

Rückenwind durch die Heldenreise im Januar

Dabei, dass 2016 anders wird, kann Dich die Heldenreise im Januar unterstützen: In der Heldenreise sorgst Du für Klarheit darüber, wohin Dein Weg führen soll, räumst innere Hindernisse aus und holst Dir den Schwung, den Du brauchst. Aus der Heldenreise kehrst Du mit einem klaren Plan für die nächsten Schritte in Dein Leben zurück. Eine Coaching- oder Gestaltsitzung bei einem der drei Leiter unterstützt Dich bei der Integration des Erlebten in Deinen Alltag.

Und in den sechs Monaten nach der Heldenreise bekommst Du einmal pro Monat eine Impuls-Mail mit Tipps und kleinen Übungen, die Dir helfen, an Deinem Ziel dran zu bleiben und äußere Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Weil das in einer Gruppe Gleichgesinnter leichter fällt, richten wir ein Online-Forum ein, in dem Du Dich mit Deinen Gefährten aus der Heldenreise austauschen kannst und in dem Ihr Euch gegenseitig unterstützt.

Übrigens: Bis zum 29. November gilt noch der Frühbucherpreis in Höhe von 600 Euro
(inkl. MWSt.) bzw. 400 Euro für Studenten, Azubis, Arbeitssuchende.

Das Foto stammt von Ulrike Mai, via Pixabay.
Autor: Franz Grieser

Der Dämon

Jeder Held braucht einen Gegenspieler, und zwar einen richtig starken. Was wäre Luke Skywalker ohne Darth Vader? Was wäre Frodo, der Hobbit, ohne Sauron? Was wäre Harry Potter ohne Voldemort?

Ohne einen starken Gegenspieler wären unsere Helden zuhause geblieben, wären Sesselhelden geblieben. Und schon hätten wir keine Abenteuergeschichte mehr.

So wie ein guter Hollywood-Film oder ein packender Abenteuerroman einen Helden und dessen Gegenspieler braucht, braucht auch die Heldenreise einen Helden und seinen Gegenspieler.

Der Dämon in der Heldenreise

Im Fall der Heldenreise nennt man Gegenspieler den Dämon. Anders als in den Hollywood-Filmen und den Romanen oder Märchen ist der Dämon kein zweites eigenständiges Wesen: Es ist ein innerer Anteil, eine Seite des Helden. Und dieser Anteil steht zwischen dem Helden und seinem Traum. Der Dämon verhindert, dass der Held seinem Ruf folgt und seinen Traum in die Wirklichkeit umsetzt – was auch immer der Traum, die Berufung des Helden ist.

Psychologisch gesprochen ist der Dämon der innere Widerstand im Helden, der ihn davon abhält, seinen Traum zu verwirklichen. Häufig ist das die Angst, was passieren könnte, wenn der Held die Sicherheit des Vertrauten aufgibt. Oder die Angst davor, nicht mehr dazu zu gehören, nicht mehr gemocht zu werden, bloßgestellt, ausgelacht zu werden. Oder auch: als Hochstapler hingestellt zu werden.

Der Held lernt seinen Dämon kennen

Meist ist uns dieser innere Anteil nicht oder nur teilweise bewusst. Oft suchen wir uns im Außen etwas, was uns – vermeintlich – daran hindert, unseren Traum zu verwirklichen: Der böse Chef; die Familie, die wir versorgen müssen (und wegen der wir den Job nicht kündigen können); die Erwartungen der Eltern, Partner, Freunde, von …

Aber letztlich ist es ein Teil in uns, der uns zurückhält.

Und diesen Anteil lernt der Held während seiner Heldenreise kennen. Denn, wie schon gesagt: Meist ist dem Held nicht bewusst, wer oder was ihn wirklich bremst. Deshalb erfährt der Held in der Heldenreise, wer sein Gegenspieler ist. Und er erlebt am eigenen Leib, wie viel Macht und Energie dieser Dämon hat – und was an Positivem, Lebendigem und auch Lustvollem im Dämon steckt.

Damit hat der Held einen wichtigen Schritt getan und kann sich nun seinem Dämon in der Konfrontation stellen.

Autor: Franz Grieser
Foto: Ron Riccio, Flickr

Der Held und sein Ruf

In das Heldenreise-Seminar kommen die Teilnehmer mit einem Ruf – letztlich ist es der Ruf, der sie ins Seminar bringt. Das kann ein innerer Ruf sein oder ein Anstoß von außen, oft von jemandem, der das Seminar schon besucht hat: „Geh dahin, das ist genau das, was du jetzt brauchst.“

Der Ruf als Antriebskraft

Sowohl der innere Ruf als auch der Anstoß von außen haben mit der aktuellen Situation des Teilnehmers zu tun. Die Teilnehmer kommen typischerweise mit einer von zwei Motivationen:

  • eine (innere) Not: „Etwas stimmt nicht in meinem Leben, ich will/muss da etwas ändern.“

  • eine Sehnsucht: „Mir geht’s gut im Leben. Und da ist noch mehr möglich – ich will mehr Lebendigkeit/mehr Erfüllung/Sinn im Leben/…“

Unabhängig von der Motivation ist die Klarheit über das Ziel, mit der die Teilnehmer kommen:

  • Ein Teil weiß genau, wo er hin will, was das Ziel ist, das er erreichen will. Was ihm nicht wirklich klar ist, sind die Gründe, aus denen er das Ziel noch nicht erreicht hat. Ein Tipp: „Ich hab zu wenig Willenskraft.“ ist es in der Regel nicht – die wahren Gründe sind den meisten nicht bewusst.

  • Der andere Teil weiß noch nicht genau, wo er hin will. Meist ist klarer, wovon man weg will, welche Situation man verändern will – nicht aber, was das konkrete Ziel ist.

Erfahrungsgemäß hat ein klares Zielbild höhere Zugkraft und hilft beim Erreichen des Ziels. Es fällt uns deutlich leichter, die bekannte Welt hinter uns zu lassen, wenn wir wissen, wohin es gehen soll.

Kurzer Einschub: Wenn Menschen in einer Situation verharren, die ihnen ganz offensichtlich nicht gut tut, dann sprechen Außenstehende gern davon, dass der Leidensdruck wohl noch nicht hoch genug ist. Einmal abgesehen davon, dass das sehr zynisch ist. Meiner Erfahrung nach ist das in den seltensten Fällen tatsächlich der Grund. Die meisten Menschen kommen erst dann oder erheblich leichter in Bewegung, wenn sie eine Vorstellung davon haben, wohin die Reise gehen soll. Die allerwenigsten würden sich auf eine gefährliche Reise machen, ohne zu wissen, wohin sie fahren. Auch ein Columbus hatte schließlich ein Ziel, zu dem er aufgebrochen ist.

Den Held im Held wecken

Deshalb geht es am zweiten Tag der Heldenreise auch darum, den Ruf zu konkretisieren, so dass sich der Held mit einem klaren Ziel vor Augen auf den Weg machen kann.

Auf seiner Reise werden sich dem Held verschiedene Hindernisse in den Weg stellen. Darum braucht er Fähigkeiten und teilweise auch Unterstützung von außen. Diese Fähigkeiten, seine Ressourcen, bringt er bereits mit. Oft sind sie allerdings verschüttet und dem Helden gar nicht (mehr) bewusst. In mehreren Übungen am „Heldentag“ machen die Helden sich diese Ressourcen wieder zugänglich. Und sind dann bereit, sich – nach dem Heldenbankett am Abschluss des Tages – auf ihre Heldenreise zu wagen.

Das Bild stammt von Pixabay-Nutzer Skeeze.

Die Stationen der Heldenreise

Das Heldenreise-Seminar von Paul Rebillot baut auf der von Joseph Campbell herausgearbeiteten Grundstruktur auf, die Märchen und Mythen auf aller Welt zugrunde liegt, die hero’s journey. Rebillots Heldenreise ist nicht identisch mit der Struktur, die Campbell gefunden hat – dazu mehr am Ende dieses Beitrags.

Zunächst erläutere ich Campbell’s hero’s journey.

Die Heldenreise nach Joseph Campbell

Campbell zufolge hat eine typische Heldenreise folgende Stationen:

1. Der Ruf: Der Protagonist wird vor eine Aufgabe gestellt – entweder von außen (jemand bittet ihn, etwas zu tun, es tritt ein Ereignis ein, auf das er reagieren muss, …) oder aus innerem Antrieb heraus.

2. Weigerung: Oft zögert der Protagonist – schließlich müsste er die Sicherheit des gewohnten Terrains (den warmen Herd) verlassen.

3. Aufbruch: Er überwindet sein Zögern und macht sich auf die Reise; manchmal braucht es dazu einen mehr oder weniger sanften Schubs von außen. Erst wenn er sich auf den Weg macht, spricht man von Held.

4. Die erste Schwelle: Mit dem Aufbruch überschreitet der Held die Schwelle von der gewohnten Welt in die unbekannte Welt. Ein Zurück ist nun nicht mehr möglich.

5. Weg der Prüfungen: Es treten erste Hindernisse/Probleme auf; oft scheitert der Held erst einmal, geht aber weiter seinen Weg.

6. Mentoren/Übernatürliche Hilfe: Der Held trifft unerwartet auf einen oder mehrere Mentoren und erhält menschliche oder übernatürliche Unterstützung.

7. Schwere Prüfungen: Der Held wird mit weiteren Prüfungen konfrontiert, meist mit steigendem Schwierigkeitsgrad. Auch hier kann der Held Unterstützung durch Mentoren oder andere Personen erhalten.

8. Höchste Prüfung (z. B. Kampf mit dem Drachen): Diese erweist sich häufig als Kampf gegen die eigenen inneren Widerstände und Illusionen.

9. Elixier: Initiation und Transformation des Helden. Er besteht die höchste Prüfung und erhält eine Belohnung bzw. raubt einen Schatz (das Elixier, so Campbell), der die Welt des Alltags, aus der der Held aufgebrochen ist, retten kann. Dieser Schatz besteht meist in einer inneren Erfahrung, die durch einen Gegenstand symbolisiert wird.

10. Verweigerung der Rückkehr: Der Held zögert, in die Welt des Alltags zurückzukehren.

11. Verlassen der Unterwelt: Der Held wird durch innere Beweggründe oder äußeren Zwang zur Rückkehr bewegt.

12. Rückkehr/Zweite Schwelle: Der Held überschreitet die Schwelle und kehrt in die Welt zurück, aus der er ursprünglich aufgebrochen war. Dort stößt er häufig zunächst einmal auf Unglauben oder Unverständnis, und muss das auf der Heldenreise Errungene/Gelernte in das Alltagsleben integrieren.

13. Herr zweier Welten: Der Held vereint das Alltagsleben mit seinem neu erworbenen Wissen und lässt die Gesellschaft teilhaben.

Wohlgemerkt: Diese 13 Schritte sind ein Grundgerüst. Nicht jedes Märchen, nicht jeder Roman oder Kinofilm hat alle diese Elemente. Manche Helden stürzen sich gleich nach dem Ruf ins Abenteuer, die Phasen 5 bis 7 können unterschiedlich lang sein.

Hinweis: Lt. Wikipedia und anderen Quellen besteht die Struktur nach Campbell aus 12 Schritten. In Campbells Buch „Der Heros in tausend Gestalten“ zähle ich 16 Schritte, die ich hier zu 13 zusammengefasst habe.

Die Heldenreise-Struktur bei Paul Rebillot

Die Struktur des Heldenreise-Seminars von Paul Rebillot ist nicht hundertprozentig identisch mit der Heldenreise-Struktur nach Joseph Campbell. So nimmt aus dramaturgischen Gründen in Rebillots Seminar der Teil bis zur ersten Schwelle größeren Raum ein, und der Weg der Prüfungen ist vergleichsweise kurz.

In Märchen und Hollywood-Filmen dagegen wird gerade der Weg der Prüfungen sehr stark ausgeschmückt, weil da der Zuhörer bzw. Zuschauer so schön mit dem Helden mitfiebern kann. Darum geht es jedoch in Rebillots Heldenreise-Seminar nicht – im Seminar geht es um die persönliche Transformation nach der Konfrontation mit den inneren Widerständen.

Paul Rebillot hat sein Seminar ursprünglich auf 7 Tage ausgelegt, üblicherweise wird es heute in 6 sehr intensiven Tagen durchgeführt:

1. Tag: Die Lebensumgebung des Helden und sein Ruf (das entspricht der Alltagswelt und dem Ruf bei Campbell)

2. Tag: Der Held (hier tauchen die Teilnehmer in ihren Helden ein und finden Mentoren)

3. Tag: Der Dämon (der Teil ist ausführlicher als bei Campbell, weil es bei Rebillot sehr viel um die inneren Widerstände des Helden geht – symbolisiert durch den Dämon)

4. Tag: Das Instrument der Kraft; die Konfrontation (das Instrument ist ein weiterer „Mentor“; an der Schwelle kommt es zur Konfrontation zwischen Held und Dämon)

5. Tag: Die höchste Prüfung (der Held integriert die Kräfte und Fähigkeiten des Dämons; dann überschreitet er die Schwelle in die unbekannte Welt und erlebt dort seine schwerste Prüfung)

6. Tag: Belohnung und Rückkehr (der Held findet seine Belohnung und kehrt mit all dem Gelernten als Herr zweier Welten in die Alltagswelt zurück)

Die drei wesentlichen Unterschiede zwischen Rebillots und Campbells Struktur:

  • Im Heldenreise-Seminar nach Rebillot verbringen wir einen ganzen Tag damit, den Dämon zu erkunden. Schließlich ist das der innere Anteil des Teilnehmers, der ihn bisher daran hindert, seine Träume/Visionen in die Realität umzusetzen. In den allermeisten Märchen und Mythen erfährt man kaum etwas über die Hintergründe des Drachen (oder wer auch immer der Widersacher des Helden ist).

  • Anders als in Märchen und Mythen tötet der Held den Dämon im Heldenreise-Seminar nicht – der Dämon ist schließlich ein Teil des Helden. Stattdessen integriert der Held den Dämon und macht sich dessen Kräfte und Fähigkeiten zu eigen.

  • Das Überschreiten der Schwelle kommt im Heldenreise-Seminar sehr spät. Rebillot geht es eben nicht um die Abenteuer, sondern um die innere Entwicklung der Teilnehmer. Sein Anliegen ist es, die beiden inneren Pole – symbolisiert durch Held und Dämon – deutlich herauszuarbeiten, damit es am 5. Tag zur Verbindung beider Pole und zur Transformation kommen kann. Dann ist der Held+Dämon in der Lage, sich der höchsten Prüfung, seiner tiefsten Angst, zu stellen.

Autor: Franz Grieser

Was, bitteschön, ist ein Held?

Ehrlich gesagt hatte ich mit dem Begriff „Held“ lange Zeit Schwierigkeiten. Held – das klang für mich martialisch, nach Krieg, nach Dummheit. Sehr „heroische“ Figuren in Filmen oder Büchern haben mich befremdet, weil sie mir stilisiert vorkamen. Weil mir die Echtheit fehlte. Und überhaupt: Ist ein Held etwas Besonderes, jemand, der über anderen steht?

Und so hätte mich ein Seminar, das „Heldenreise“ heißt, vermutlich nicht angesprochen.

Bis eines Tages mein Mann auf Heldenreise ging. Als er zurückkam, konnte ich sofort sehen und spüren, welche Intensität und welche Möglichkeiten in diesem Seminar stecken. Ein paar Monate später machte ich mich selbst auf die Reise, noch ein wenig skeptisch, ob diese Reise auch bei mir solche Veränderungen zum Positiven bewirken kann. Ob sie mich erreichen kann. Das tat sie.

Ich bin immer noch nicht glücklich mit dem Begriff „Held“. Man könnte das, was gemeint ist, vielleicht auch anders nennen – mir ist nur noch nichts eingefallen, was knackiger beschreiben könnte, worum es geht. Aber: Mein Bild des Helden hat sich verändert – oder vielleicht sollte ich sagen: konkretisiert.

Für mich ist ein Held ein Mensch, der einen Moment innehält, in sich hinein – und in die Welt hinein – lauscht und wahrnimmt, was der „Ruf“ ist. Worum geht es wirklich? Was ist mir wirklich wichtig? Was will ich wirklich erreichen, leben?

Ein Held ist für mich derjenige, der im Rahmen seiner Möglichkeiten, diesem Ruf folgt. Und sich dabei allen Widerständen im Innen und Außen stellt. Es geht dabei nicht um Sieg, Besiegen, etwas auf Kosten anderer zu erreichen – sondern einzig und allein darum, seiner Sehnsucht zu folgen und sie bestmöglich zu leben. Das ist, wie wir alle wissen, eine große Aufgabe!

Autorin: Madeleine Streiber