Wachsen in einer Gruppe

Was ist eine Gestaltgruppe?

Die Gestaltgruppe ist eine Selbsterfahrungsgruppe. Ziel ist, Dich selbst besser kennenzulernen, genauer zu erforschen, was Deine Bedürfnisse und Deine Werte sind, und welche Mechanismen Dich bisher daran hindern, Deine Lebendigkeit voll und ganz zu leben.

Die Gruppe bietet Dir dafür den Rahmen, trägt und unterstützt Dich durch achtungsvolle Rückmeldungen, und bietet Dir die Möglichkeit, das, was Dich in Deinem Wesenskern ausmacht, in Kontakt zu bringen.

Die Gruppe eignet sich für alle,

  • die ihre (vermeintlichen) Grenzen überwinden und Neues wagen wollen,
  • die an den Themen arbeiten wollen, die sie bewegen,
  • die den Austausch in einer Gruppe als wertvolle Ressource für sich entdeckt haben oder entdecken wollen,
  • die neugierig sind und ausprobieren wollen wie es ist, durch die regelmäßige Teilnahme an einer Gruppe Unterstützung zu bekommen.

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Was ist denn mein Ruf?

„Wie weiß ich denn, was mein Ruf ist? Wie finde ich das heraus?“ Fragen dieser Art bekomme ich in letzter Zeit öfter zu hören, seitdem ich verstärkt von der Heldenreise erzähle.

Was Dein Ruf ist, kannst Du ganz leicht entdecken: Hör hin. Hör genau hin. Dein Ruf ist schon da, Du musst ihn nicht erst suchen.

Ich gehe davon aus, dass jeder von uns einen Ruf hat, einen Grund, auf der Welt zu sein. Und ich gehe davon aus, dass jeder seinen Ruf im Innersten auch kennt.

Nur ist es häufig so, dass etwas in uns den Ruf nicht hören will, also bewusst oder unbewusst weghört.

Den Ruf nicht hören wollen – was heißt das?

Wir haben häufig Angst vor den Konsequenzen. Wenn wir den Ruf ernst nehmen, müssten wir etwas ändern in unserem Leben. Das ist verständlicherweise mit Unsicherheit verbunden: „Ich weiß nicht, was passiert, wenn ich …“

Und wir riskieren Konflikte mit unserer Umwelt. „Wenn ich das mache, kriege ich Ärger mit meiner Familie. Das kann ich bei meinen Freunden nicht bringen, dann gehöre ich nicht mehr dazu. Ich kann doch nicht so egoistisch sein.“

Wenn wir etwas ändern in unserem Leben, verlassen wir die Komfortzone. Und das ist unbequem. Wir haben’s uns doch gerade so gut eingerichtet in unserem Leben. „Der Job passt, die Kinder entwickeln sich gut, die Nachbarn sind nett, …“

Und so mancher Ruf macht uns auch Angst – nicht vor den Konsequenzen, sondern vor unserer eigenen Courage. „Ist das nicht viel zu groß gedacht? Was werden die anderen denken? Werden sie denken, dass ich mich übernehme, dass ich überheblich bin, dass ich das nie im Leben schaffe?“

Die Frage ist: Bist Du bereit, die Konsequenzen zu tragen?

Es hat Konsequenzen, wenn Du Deinem Ruf folgst.
Und es hat Konsequenzen, wenn Du ihm nicht folgst.

Schon die Bremer Stadtmusikanten wussten: Wir haben nichts zu verlieren außer unserer Angst.

 

Das Foto stammt von Golda Falk, via Pixabay.
Autor: Franz Grieser

Der Dämon

Jeder Held braucht einen Gegenspieler, und zwar einen richtig starken. Was wäre Luke Skywalker ohne Darth Vader? Was wäre Frodo, der Hobbit, ohne Sauron? Was wäre Harry Potter ohne Voldemort?

Ohne einen starken Gegenspieler wären unsere Helden zuhause geblieben, wären Sesselhelden geblieben. Und schon hätten wir keine Abenteuergeschichte mehr.

So wie ein guter Hollywood-Film oder ein packender Abenteuerroman einen Helden und dessen Gegenspieler braucht, braucht auch die Heldenreise einen Helden und seinen Gegenspieler.

Der Dämon in der Heldenreise

Im Fall der Heldenreise nennt man Gegenspieler den Dämon. Anders als in den Hollywood-Filmen und den Romanen oder Märchen ist der Dämon kein zweites eigenständiges Wesen: Es ist ein innerer Anteil, eine Seite des Helden. Und dieser Anteil steht zwischen dem Helden und seinem Traum. Der Dämon verhindert, dass der Held seinem Ruf folgt und seinen Traum in die Wirklichkeit umsetzt – was auch immer der Traum, die Berufung des Helden ist.

Psychologisch gesprochen ist der Dämon der innere Widerstand im Helden, der ihn davon abhält, seinen Traum zu verwirklichen. Häufig ist das die Angst, was passieren könnte, wenn der Held die Sicherheit des Vertrauten aufgibt. Oder die Angst davor, nicht mehr dazu zu gehören, nicht mehr gemocht zu werden, bloßgestellt, ausgelacht zu werden. Oder auch: als Hochstapler hingestellt zu werden.

Der Held lernt seinen Dämon kennen

Meist ist uns dieser innere Anteil nicht oder nur teilweise bewusst. Oft suchen wir uns im Außen etwas, was uns – vermeintlich – daran hindert, unseren Traum zu verwirklichen: Der böse Chef; die Familie, die wir versorgen müssen (und wegen der wir den Job nicht kündigen können); die Erwartungen der Eltern, Partner, Freunde, von …

Aber letztlich ist es ein Teil in uns, der uns zurückhält.

Und diesen Anteil lernt der Held während seiner Heldenreise kennen. Denn, wie schon gesagt: Meist ist dem Held nicht bewusst, wer oder was ihn wirklich bremst. Deshalb erfährt der Held in der Heldenreise, wer sein Gegenspieler ist. Und er erlebt am eigenen Leib, wie viel Macht und Energie dieser Dämon hat – und was an Positivem, Lebendigem und auch Lustvollem im Dämon steckt.

Damit hat der Held einen wichtigen Schritt getan und kann sich nun seinem Dämon in der Konfrontation stellen.

Autor: Franz Grieser
Foto: Ron Riccio, Flickr

Der Held und sein Ruf

In das Heldenreise-Seminar kommen die Teilnehmer mit einem Ruf – letztlich ist es der Ruf, der sie ins Seminar bringt. Das kann ein innerer Ruf sein oder ein Anstoß von außen, oft von jemandem, der das Seminar schon besucht hat: „Geh dahin, das ist genau das, was du jetzt brauchst.“

Der Ruf als Antriebskraft

Sowohl der innere Ruf als auch der Anstoß von außen haben mit der aktuellen Situation des Teilnehmers zu tun. Die Teilnehmer kommen typischerweise mit einer von zwei Motivationen:

  • eine (innere) Not: „Etwas stimmt nicht in meinem Leben, ich will/muss da etwas ändern.“

  • eine Sehnsucht: „Mir geht’s gut im Leben. Und da ist noch mehr möglich – ich will mehr Lebendigkeit/mehr Erfüllung/Sinn im Leben/…“

Unabhängig von der Motivation ist die Klarheit über das Ziel, mit der die Teilnehmer kommen:

  • Ein Teil weiß genau, wo er hin will, was das Ziel ist, das er erreichen will. Was ihm nicht wirklich klar ist, sind die Gründe, aus denen er das Ziel noch nicht erreicht hat. Ein Tipp: „Ich hab zu wenig Willenskraft.“ ist es in der Regel nicht – die wahren Gründe sind den meisten nicht bewusst.

  • Der andere Teil weiß noch nicht genau, wo er hin will. Meist ist klarer, wovon man weg will, welche Situation man verändern will – nicht aber, was das konkrete Ziel ist.

Erfahrungsgemäß hat ein klares Zielbild höhere Zugkraft und hilft beim Erreichen des Ziels. Es fällt uns deutlich leichter, die bekannte Welt hinter uns zu lassen, wenn wir wissen, wohin es gehen soll.

Kurzer Einschub: Wenn Menschen in einer Situation verharren, die ihnen ganz offensichtlich nicht gut tut, dann sprechen Außenstehende gern davon, dass der Leidensdruck wohl noch nicht hoch genug ist. Einmal abgesehen davon, dass das sehr zynisch ist. Meiner Erfahrung nach ist das in den seltensten Fällen tatsächlich der Grund. Die meisten Menschen kommen erst dann oder erheblich leichter in Bewegung, wenn sie eine Vorstellung davon haben, wohin die Reise gehen soll. Die allerwenigsten würden sich auf eine gefährliche Reise machen, ohne zu wissen, wohin sie fahren. Auch ein Columbus hatte schließlich ein Ziel, zu dem er aufgebrochen ist.

Den Held im Held wecken

Deshalb geht es am zweiten Tag der Heldenreise auch darum, den Ruf zu konkretisieren, so dass sich der Held mit einem klaren Ziel vor Augen auf den Weg machen kann.

Auf seiner Reise werden sich dem Held verschiedene Hindernisse in den Weg stellen. Darum braucht er Fähigkeiten und teilweise auch Unterstützung von außen. Diese Fähigkeiten, seine Ressourcen, bringt er bereits mit. Oft sind sie allerdings verschüttet und dem Helden gar nicht (mehr) bewusst. In mehreren Übungen am „Heldentag“ machen die Helden sich diese Ressourcen wieder zugänglich. Und sind dann bereit, sich – nach dem Heldenbankett am Abschluss des Tages – auf ihre Heldenreise zu wagen.

Das Bild stammt von Pixabay-Nutzer Skeeze.

Die Stationen der Heldenreise

Das Heldenreise-Seminar von Paul Rebillot baut auf der von Joseph Campbell herausgearbeiteten Grundstruktur auf, die Märchen und Mythen auf aller Welt zugrunde liegt, die hero’s journey. Rebillots Heldenreise ist nicht identisch mit der Struktur, die Campbell gefunden hat – dazu mehr am Ende dieses Beitrags.

Zunächst erläutere ich Campbell’s hero’s journey.

Die Heldenreise nach Joseph Campbell

Campbell zufolge hat eine typische Heldenreise folgende Stationen: Weiterlesen

Was, bitteschön, ist ein Held?

Ehrlich gesagt hatte ich mit dem Begriff „Held“ lange Zeit Schwierigkeiten. Held – das klang für mich martialisch, nach Krieg, nach Dummheit. Sehr „heroische“ Figuren in Filmen oder Büchern haben mich befremdet, weil sie mir stilisiert vorkamen. Weil mir die Echtheit fehlte. Und überhaupt: Ist ein Held etwas Besonderes, jemand, der über anderen steht?

Und so hätte mich ein Seminar, das „Heldenreise“ heißt, vermutlich nicht angesprochen.

Bis eines Tages mein Mann auf Heldenreise ging. Als er zurückkam, konnte ich sofort sehen und spüren, welche Intensität und welche Möglichkeiten in diesem Seminar stecken. Ein paar Monate später machte ich mich selbst auf die Reise, noch ein wenig skeptisch, ob diese Reise auch bei mir solche Veränderungen zum Positiven bewirken kann. Ob sie mich erreichen kann. Das tat sie.

Ich bin immer noch nicht glücklich mit dem Begriff „Held“. Man könnte das, was gemeint ist, vielleicht auch anders nennen – mir ist nur noch nichts eingefallen, was knackiger beschreiben könnte, worum es geht. Aber: Mein Bild des Helden hat sich verändert – oder vielleicht sollte ich sagen: konkretisiert.

Für mich ist ein Held ein Mensch, der einen Moment innehält, in sich hinein – und in die Welt hinein – lauscht und wahrnimmt, was der „Ruf“ ist. Worum geht es wirklich? Was ist mir wirklich wichtig? Was will ich wirklich erreichen, leben?

Ein Held ist für mich derjenige, der im Rahmen seiner Möglichkeiten, diesem Ruf folgt. Und sich dabei allen Widerständen im Innen und Außen stellt. Es geht dabei nicht um Sieg, Besiegen, etwas auf Kosten anderer zu erreichen – sondern einzig und allein darum, seiner Sehnsucht zu folgen und sie bestmöglich zu leben. Das ist, wie wir alle wissen, eine große Aufgabe!

Autorin: Madeleine Streiber