Wenn Deine Fantasie Dich einschränkt

Wir leben auf zwei Ebenen: auf der Realitätsebene und auf der Fantasieebene. Auf der Realitätsebene sind wir in Kontakt mit unseren Gefühlen und dem, was wir im Inneren und im Außen wahrnehmen. Was wir sehen, hören, spüren, riechen, schmecken und was wir fühlen.

Auf der Fantasieebene interpretieren wir das, was wir wahrnehmen – und unterscheiden oft nicht zwischen der Wahrnehmung und der Fantasie. Da sehen wir jemand, der die Arme vor der Brust verschränkt – und „denken“ sofort, er würde uns ablehnen. Ohne diesen Gedanken zu hinterfragen und ohne unser Gegenüber zu fragen. Dann würden wir vielleicht erfahren, dass es unserem Gegenüber so geht wie einer Frau, die vor einiger Zeit an einem meiner Seminare teilgenommen hatte: Sie saß oft mit verschränkten Armen da, weil ihr so der Rücken weniger weg tat. Oder wir warten tagelang am Telefon und glauben, er oder sie würde sich nicht für uns interessieren – sonst hätte er oder sie doch schon längst angerufen. Und sie bzw. er tut das Gleiche und wartet ebenfalls.

Auf der Fantasieebene

Leider ist es so, dass viele von uns viel Zeit im Fantasiemodus unterwegs sind. Wir nehmen etwas wahr – und sofort geht das Kopfkarussell los, und wir geben uns unseren Fantasien hin. Statt mit dem Gegenüber in Kontakt zu treten und nachzufragen. Und statt auszusprechen, wie es uns geht, und zu schauen, wie die Reaktion ist.

Oft liegt das daran, dass wir Angst haben vor Ablehnung oder Zurückweisung oder davor, ausgelacht zu werden.

Angst vor Ablehnung

Ablehnung tut besonders weh bei Menschen, an denen uns etwas liegt. Und bei Menschen, zu denen wir in einer irgendwie gearteten Beziehung stehen, kann Ablehnung – ob nun eine tatsächliche oder fantasierte Ablehnung – richtiggehend bedrohlich werden. Wie es wäre, von den eigenen Eltern abgelehnt zu werden, vom Partner oder der Partnerin, von den Kindern, den Freunden, dem Chef, den Kollegen?

Diese Angst führt bei manchen auch dazu, dass sie erstarren und an einem Verhalten festhalten, das längst nicht mehr das gewünschte Ergebnis bringt. Die Angst, wenn sie ihr Verhalten änderten, würden sich die Menschen um sie herum abwenden und sie ablehnen.

Ein zurückhaltender, eher passiver Mann beispielsweise tut sich wahrscheinlich deshalb schwer damit, selbstbewusster aufzutreten, seine Meinung zu sagen oder gar Wut zu zeigen, weil er sich vor Ablehnung oder Sanktionen fürchtet. Eine junge Frau hält sich vielleicht zurück und geht nicht auf jemand zu, der sie interessiert, aus Angst, unweiblich zu erscheinen und als Frau abgelehnt zu werden.

Experimentierfeld

Die Ebene der Fantasie – genauer, der Angstfantasien – zu verlassen, fällt uns leichter, wenn wir positive Erfahrungen machen. Wenn wir ausprobieren können, wie es ist, Nein zu sagen, zu unserer Meinung zu stehen, unsere Bedürfnisse auszudrücken – ohne dass wir fürchten müssen, bei den Menschen auf Ablehnung zu stoßen, die uns wichtig sind. So lernen wir, mit unserer Angst vor Ablehnung umzugehen – und machen nicht selten die Erfahrung, dass neues Verhalten bei anderen sogar positiv ankommt. Etwa wenn der zurückhaltende Mann von vorhin zu seiner Meinung steht und so sichtbar und greifbar wird für sein Gegenüber.

Dieses Ausprobieren fällt leichter in einem sicheren Rahmen. Einen solchen Rahmen stellt eine geleitete Gruppe dar, in der erfahrene Coaches/Therapeuten einen geschützten Raum für Selbsterfahrung und für Kontakt öffnen. Einen Raum, in dem die Teilnehmer Neues wagen können und wertvolles Feedback erhalten.

Eine solche Gruppe besteht seit Anfang März in München. Es ist noch Platz für zwei Teilnehmer. Mehr dazu findest Du hier.

Das Foto stammt von Pixabay-Nutzer Willi Heidelbach.