Wie du nach einer Unterbrechung wieder ins Tun kommst

Vielleicht kennst du das: Es läuft gut, du kommst gut voran, dann gibt es eine Unterbrechung oder Störung ― und schon ist der Schwung weg. Und je länger die Pause dauert ― Stunden, Tage, Wochen ―, desto schwieriger ist es, wieder in den Flow zu kommen.

Von deinem Umfeld kommt der gut gemeinte Rat: Hingefallen? Wieder aufstehen, Staub abklopfen (oder Krone richten), weitermachen.

Wenn das klappt: Wunderbar. Falls das nicht klappt, probiere die folgenden Tipps aus.

Tipp 1: dein Warum

Was ist der Grund, aus dem du dich für das Projekt entschieden hast, das darauf wartet, dass du weiter daran arbeitest?

Was versprichst du dir von dem Projekt?

Was wird anders sein, wenn es abgeschlossen ist?

Spricht irgendetwas dagegen, mit dem Projekt weiterzumachen?

Dann los.

Tipp 2: Countdown zum Start

Wenn es dir immer noch schwerfällt, wieder anzufangen, probier den 3-2-1-Countdown aus: Setz dir eine feste Uhrzeit, zu der du beginnst, zum Beispiel 13 Uhr. Und fang mit einem Countdown an, sobald es Punkt 13:00 Uhr ist:

3 ― 2 ― 1

Und dann legst du los ― unabhängig davon, wie du dich gerade fühlst.

Der Countdown wirkt nach meiner Erfahrung am besten, wenn du die Zahlen nicht einfach schnell herunterratterst. Bei mir funktioniert es am besten, wenn ich mir bei jedem Schritt kurz Zeit lasse, um mich immer stärker darauf zu konzentrieren, was ich gleich tun werde. Damit bündle ich meine Gedanken und fokussiere mich auf’s Handeln.

Noch ein Trick dazu:

Falls du Punkt 13 Uhr verpasst hast, warte nicht bis 14 Uhr, sondern fang mit dem Countdown dann zum Beispiel um 13:07 Uhr an.

Tipp 3: Mit Isaac Newton in Bewegung kommen

Isaac Newton? Der aus dem Physikunterricht? Was hat der mit Aufschieben zu tun?

Ja, genau: Sir Isaac Newton, der britische Naturwissenschaftler. Er hat unter anderem die newtonschen Bewegungsgesetze formuliert. Und das erste davon hat sehr viel damit zu tun, wie du wieder ins Tun kommst und wie du dranbleibst.

Dieses Gesetz, das auch als Trägheitsprinzip oder -gesetz bekannt ist, lautet:

„Ein Körper verharrt im Zustand der Ruhe oder der gleichförmigen Bewegung, sofern er nicht durch einwirkende Kräfte zur Änderung seines Zustands gezwungen wird.“

Anders ausgedrückt: Objekte, die im Ruhezustand sind, neigen dazu, in diesem Zustand zu bleiben. Objekte, die in Bewegung sind, neigen dazu, in Bewegung zu bleiben.

Was heißt das jetzt?

Du kennst das sicher: Wenn du etwas tust, und es läuft gut ― dann läuft es. Dann kostet es nicht viel Energie, dranzubleiben und weiterzumachen.

Und umgekehrt: Wenn du erst einmal feststeckst und beispielsweise beim Schreiben auf den leeren Bildschirm starrst, dann ist es sehr schwierig, wieder reinzukommen. Und mit jeder Minute wird es schwerer.

Der Trick: Komm in Bewegung

Der Trick ist: Anfangen. Denn wenn du erst einmal angefangen hast, bist du in Bewegung. Um dann weiter dran zu bleiben (und im Beispiel weiter zu schreiben), ist nicht mehr viel Energie notwendig ― siehe Newtons Trägheitsgesetz.

Und damit das Anfangen leichter fällt, empfehle ich dir: Leg die Hürde so niedrig wie möglich. Fang mit etwas an, das du in weniger als zwei Minuten schaffst.

Zwei Minuten: Die Hürde ist so niedrig, dass man praktisch darüber stolpert. Es kostet fast keine Energie, etwas zu tun, was nur zwei Minuten beansprucht.

Wie könnte das aussehen?

Am Beispiel Schreiben:

  • Wenn noch gar nichts auf dem Bildschirm oder Papier steht: Schreib einen beliebigen Satz, der mit dem Thema zu tun hat. Such Sie nicht nach dem perfekten Anfang, das blockiert nur. Nimm einen Satz mitten aus dem Text. Oder vielleicht auch die Zusammenfassung.
  • Wenn du schon etwas geschrieben hast: Schreib einen Satz, der direkt anschließt. Der muss nicht perfekt sein, und auch der Übergang muss nicht gut sein: Überarbeiten kannst du später. Oder mach einige Leerzeilen und schreib etwas, das an eine andere Stelle gehört.

Und dann schreib gleich den nächsten Satz. Ohne groß nachzudenken. Und dann den nächsten. Die müssen auch nicht zwingend logisch aufeinander aufbauen.

Hauptsache: Du schreibst. Du bist in Bewegung. Du bleibst in Bewegung.

Und falls du später wieder hängen bleibst: Fang mit dem nächsten „nur einen Satz“ an.

 

Zu den Bildern:

  • Das Titelfoto stammt von Depositphotos.com
  • Das Foto des Läufers am Start stammt von Serghei Trofimov (via Unsplash.com)

 

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